ForE 1-2018 Junge Geflüchtete und erzieherische Hilfen

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters: Reich werden durch Armut? Das Elend der Unterbringung Geflüchteter

Thomas Kunz: „Integration“ – Ambivalenzen eines prominenten Begriffes und deren Bedeutung für Soziale Arbeit im Kontext von Flucht und Migration

Michael Winkler: Und noch einmal ein Zwischenruf in Sachen junge Flüchtlinge – vielleicht ein wenig zu persönlich geraten

Nerea González Méndez de Vigo: Begleitete junge Geflüchtete in Aufnahmeeinrichtungen

Gunther Graßhoff, Wolfgang Schröer: Hilfen zur Erziehung für junge Menschen, die als Geflüchtete in Deutschland leben – „muddling through“ als Dauerlösung?

Henriette Katzenstein: Für geflüchtete Kinder und Jugendliche – die Kinder- und Jugendhilfe mischt

ForE-Interview mit Bintou Bojang: „Das Asylverfahren ist schwer.“

Clara Bombach, Gabriel Thomas, Renate Stohler, Karin Werner: Die ungeplante Austrittsgestaltung aus Pflegefamilien ‒ Eine konzeptionelle Lücke in der Pflegekinderhilfe der Schweiz

Katharina Eggers: Ein Plädoyer für gemeinsames Nachdenken und solidarische Bündnisse im Kinderschutz trotz hoher Anforderungen an das Risikomanagement

Norbert Struck: Verwandtenpflege. VG Augsburg, Urteil v. 03.08.2016 – Au 3 K 15.1172

 

Auch wenn das Thema keineswegs neu in der Kinder- und Jugendhilfe ist und die Praxis teilweise auf jahrzehntelange Expertise besonders im Umgang mit der Zielgruppe der unbegleitet geflüchteten jungen Menschen zurückgreifen kann, zeigen sich spätestens seit 2015, als außergewöhnlich viele (junge) Menschen in die Bundesrepublik einreisten, um hier Schutz und eine Perspektive zu finden, vermehrt politisch erzeugte Spannungsfelder und Ambivalenzen, die die Unterstützung und Förderung junger Geflüchteter massiv erschweren bzw. begrenzen. Ursachen dafür liegen nicht zuletzt bei den auf Migrationsregulierung zielenden, restriktiven (Neu-)Regelungen im Asylrecht, aber auch bei einer gesellschaftlich weit verbreiteten, z. T. auch in der Kinder- und Jugendhilfe angekommenen Migrationsrhetorik, die die Betroffenen u. a. nach „Bleibeperspektive“ und „Integrationswilligkeit“ einteilt. Die Regelungen und Einschätzungen stehen im Konflikt mit der in Art. 3 UN-Kinderrechtskonvention verankerten Verpflichtung, bei allen Maßnahmen vorrangig das Kindeswohl zu berücksichtigen. Hinzukommt die im öffentlichen Diskurs immer wieder geäußerte, vor dem Hintergrund der Restriktionen doppelbödig erscheinende Erwartung, die Integration der jungen Geflüchteten möge schnellstmöglich vorangetrieben werden.

Das Heft widmet sich diesen Spannungslagen und Widersprüchen. Es zeigt aus einer kindeswohlorientierten, auf gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe fokussierten Perspektive heraus verschiedene Facetten des Themas auf. Es beginnt mit einem kritischen Beitrag über den Begriff der Integration, die gemeinhin unhinterfragt als notwendig erachtet wird. Die Diskussion des Begriffs kann als Folie für Lektüre und Verständnis der weiteren Beiträge verstanden werden. Ziel des Heftes ist es, die Notwendigkeit und öffentliche Verantwortung herauszuarbeiten, auch für junge Geflüchtete bedarfsgerecht ausgestaltete Erzieherische Hilfen (ohne Standardabsenkungen) zur Verfügung zu stellen bzw. ihnen den Zugang dazu zu ermöglichen.

Thomas Kunz nimmt eingangs die kritische Betrachtung des Integrationsbegriffs und damit des Integrationsdiskurses vor. Er verdeutlicht, inwiefern dieser die wahrgenommene Differenz zwischen „uns“ und „den anderen“ verfestigt. Er beleuchtet Erwartungen und Rollenzuweisungen an die Kinder- und Jugendhilfe, junge Geflüchtete zu „integrieren“ und warnt davor, sich diesen vorschnell zu ergeben.

In einem Zwischenruf zeigt Michael Winkler auf, wie sich die Situation, die junge Menschen bei ihrer Ankunft in Deutschland vorfinden und der sie hier ausgesetzt sind, auf das Lebensschicksal der jungen Menschen auswirkt und was daraus eigentlich für Pädagogik und Erziehung zu schlussfolgern wäre.

Die Situation von begleiteten geflüchteten jungen Menschen, die in sog. Aufnahmeeinrichtungen leben, nimmt Nerea Gonzalez in den Blick. Sie zeigt die rechtlichen und sozialen ‒ in keiner Weise kindgerechten ‒ Rahmenbedingungen des Lebens in den Einrichtungen auf und befasst sich mit der die Frage, wie die Kinder- und Jugendhilfe in dem vorfindlichen restriktiven Setting agieren kann.

Wie eine bedarfsgerechte Ausgestaltung der Erziehungshilfen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aussehen kann, fragen Gunther Graßhoff und Wolfgang Schröer. Sie halten eine Diskussion über die Lebens- und Bewältigungslage „Kindheit, Jugend und Flucht“ für überfällig. Nur eine genauere Analyse dieser Gemengelage kann befriedigende sozialpädagogische Antworten auf die Frage der Bedarfsgerechtigkeit geben und einem sog. „muddling through“ entgegenwirken.

Henriette Katzenstein zeichnet die fachpolitische Diskussion nach, die sich in den letzten Jahren in Bezug auf junge Geflüchtete entwickelt hat, und zeigt auf, wie bedeutsam die fachpolitische Einmischung der Kinder- und Jugendhilfe in diesen Diskursen war bzw. ist.

Schließlich bringt Bintou Bojang, die 2011 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Dortmund gekommen ist, in einem Interview mit der ForE-Redaktion die Perspektive und Erfahrungen der Adressat_innen mit der Kinder- und Jugendhilfe ein.

Lydia Tomaschowski, Hannelore Häbel

Partnerschaften

Weiter zum BMFSFJ Weiter zur Beltz-Juventa-Seite Weiter zur Walhalla-Seite     Weiter zur Bloombox GmbH
Powered by Drupal