ForE 1/06 Risikostrukturen - Literaturlisten und weitere Hinweise

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters
Vorbild England?

Angelika Engelbert
Was erwarten wir von Eltern? –Bedingungen und Risiken der Leistungserbringung

Heinz Kindler und Susanne Lillig
Die Bedeutung von Risikofaktoren für die Gestaltung von Erziehungshilfen

Ute Ziegenhain
Präventive Hilfen für Kinder aus Hochrisikofamilien

Sabine Wagenblass
Aufgaben, Funktionsweisen und Modelle eines Sozialen Frühwarnsystems

Hubert Löffler
Hilfen zur Erziehung im europäischen Vergleich: Wie wird ein Fall zum Fall? 

Rüdiger Gläsel
Geschlossene Gesellschaft – Von der Exklusivität der geschlossenen Unterbringung

Eckart Schmidt
Gewaltfreie Erziehung – aber doch nicht in der Jugendhilfe? Eine Positionierung für eine humane, leicht zugängliche Jugendhilfe, ohne Geschlossene Unterbringung (GU)

Stefan Bestmann und Matthias Brandl
Fallunspezifische Arbeit - Die systematische Strukturierung des Findens und ihre arbeitspraktische Verankerung in den Verfahrensablauf eines Sozialraumteams im Rahmen der Hilfen zur Erziehung

Norbert Struck
Anmerkungen zu § 72 a SGB VIII

Forum Erziehungshilfen erhalten Mitglieder kostenfrei!

 

Schwerpunktthema: Risikostrukturen

Wenn Familien in Krisen geraten, sind sie in der Regel sehr offen für Hilfe. Sie sind allerdings darauf angewiesen, dass in solchen Situationen die Hilfen ebenfalls offen für die Krisen sind.

Wenn eine dem Wohl des Kindes/Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist, besteht nach §27 SGB VIII ein Anspruch auf Hilfe zur Erziehung. Diese Formulierung ist sehr allgemein gehalten und verweist auf Rechtsansprüche gegenüber dem Staat, wenn Eltern nicht (mehr) allein in der Lage sind, ihren Kindern notwendige Förderung und Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Die Wahrscheinlichkeit, die Pflege und Erziehung der eigenen Kinder nicht mehr hinreichend leisten zu können, wächst mit spezifischen prekären und belasteten Lebenslagen von Familien in materieller, psychischer oder sozialer Hinsicht. Es geht bei genauerer Betrachtung der Hilfen zur Erziehung selten um Einzelschicksale einzelner Familien, die durch unvorhergesehene Ereignisse aus der Bahn geworfen werden (z. B. plötzliche Krankheit oder plötzlicher Tod von Eltern), sondern oft lassen sich wiederkehrende Strukturen (Risikostrukturen) erkennen, die die Notwendigkeit öffentlicher Hilfe und Unterstützung wahrscheinlich machen.

Aus der Sicht der Jugendhilfe handelt es sich hierbei um empirisch feststellbare Häufungen spezifischer Lebenssituationen (Armut, Sucht, Gewalt, psychische Erkrankung, fragile Familienbezüge etc.), die die Lebens- und Teilhabechancen von Kindern erheblich reduzieren.

Das Heft setzt sich mit solchen Risikostrukturen auseinander und versucht sozialpädagogische Ansatzpunkte und Handlungsstrategien zu skizzieren.

Angelika Engelbert beschreibt zunächst, welche Leistungen in unserer Gesellschaft von Familien zur Versorgung, Betreuung und Erziehung ihrer Kinder erbracht werden müssen bzw. erwartet werden. Ausgehend von dieser gesellschaftlichen Funktionsbestimmung setzt sie sich dann aus familiensoziologischer Sicht mit familiären Mangelsituationen und allgemeinen Risikofaktoren elterlicher Aufgabenerfüllung sowie mit deren gesellschaftlichen Hintergründen auseinander.

Heinz Kindler und Susanne Lillig beschäftigen sich mit Risikofaktoren für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und setzen sich mit der Frage auseinander, unter welchen Bedingungen solche (allgemeinen) Risikofaktoren auch tatsächlich negative Auswirkungen auf Entwicklungsverläufe von Kindern und Jugendlichen haben (Risikomechanismen). Unter breiter Rezeption insb. angloamerikanischer Untersuchungen beschreiben sie die praktische Bedeutung dieses Konstruktes für die Erziehungshilfe.

Ute Ziegenhain wendet sich in ihrem Beitrag der Frage zu, wie sich chronisch belastende Lebenslagen gerade für sehr kleine Kinder zu Hochrisikosituationen verdichten können. Auf der bindungstheoretischen Grundlage eines Konzeptes der entwicklungspsychologischen Beratung für junge Eltern entwickelt sie Anforderungen an die Praxis der Erziehungshilfe.

Sabine Wagenblass stellt abschließend das Konzept und erste Ergebnisse eines auf Vernetzung, Verständigung und Kooperation verschiedener Dienste basierenden Modells eines „Sozialen Frühwarnsystems“ vor. Dieses Modell wurde in Nordrhein-Westfalen entwickelt und findet hier und darüber hinaus zunehmende Verbreitung.

Außerdem enthält der Heftschwerpunkt ein kurz skizziertes Praxisbeispiel aus Bielefeld, welches deutlich macht, dass in enger Kooperation von Jugendhilfe und Medizin (hier zwei Kliniken) Risikosituationen von Kindern schon früh erkannt werden können und Handlungsstrategien nicht erst einsetzen müssen, wenn das „Kind schon in den Brunnen gefallen ist“.

Mit diesem Heft beziehen die AutorInnen Stellung gegen eine Erziehungshilfe, die restriktiv organisiert ist und erst dann Angebote formuliert, wenn Defizite und kumulierte Probleme kaum noch zu kompensieren sind. Die Jugendhilfe und die mit ihr kooperierenden Institutionen und Disziplinen haben mehr zu bieten als Krisenintervention, wenn riskante Lebenssituationen frühzeitig erkannt werden und die fachlichen und materiellen Ressourcen für präventive Arbeit auch bereit stehen.

Reinhold Schone

Partnerschaften

Weiter zum BMFSFJ Weiter zur Beltz-Juventa-Seite Weiter zur Walhalla-Seite     Weiter zur Bloombox GmbH
Powered by Drupal