ForE 2/06 Junge Mütter - Junge Väter

Aus dem Inhalt

Werner Freigang
Babypuppe als Teenie-Schreck?

Gabriele Bindel-Kögel
Frühe Mutterschaft als Herausforderung - Lebenslagen junger Mütter 

Barbara Bütow, Mauri Fries
Entwicklungspsychologische Beratung - Frühe Hilfen für junge Eltern

Andrea Rakers
Mutter – Kind – Projekt „Leben Lernen“

Sabine Fliß, Iris Riepenhausen
Projekt „Aufsuchende Familienhilfe für Junge Mütter“ 

Heike Kawalek, Petra Milster, Thomas Tack
Väterarbeit in einer Mutter-Kind-Einrichtung

Sabine Böttcher, Sandra Rech
Erzieherische Hilfen in Finnland

Joachim Merchel, Reinhold Schone
Vereinbarungen mit Trägern von Diensten und Einrichtungen der Jugendhilfe gem. § 8a, Abs. 2 SGB VIII

Gerd Stecklina, Steve Stiehler
Partizipation ist nicht alles! Warum Mädchen und Jungen sich nicht aktiv in die Jugendhilfe einbringen

Hannelore Häbel
Rechtsgrundlage für Geschlossene Unterbringung in der Heimerziehung nachbesserungsbedürftig?

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Schwerpunktthema: Junge Mütter - junge Väter

Über junge Erwachsene und Jugendliche, die selber Mütter oder Väter werden, wissen wir wenig. Zu jungen Müttern und jungen Vätern lässt sich aus Sicht der Jugendhilfestatistik leider kaum etwas Gehaltvolles beisteuern. Bei den Fällen (weder bei den individuellen noch bei den familienorientierten Hilfen) wird nicht nach dem Alter der Eltern gefragt. Bei den Einrichtungen und tätigen Personen sowie den finanziellen Aufwendungen gäbe es noch das Merkmal "Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter mit Kindern". Sicherlich ist dies vor allem auch eine Einrichtung für jüngere Eltern, aber genaue Daten hierzu liefert die amtliche Statistik ebenfalls nicht. Noch 2004 bestritt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Nordrhein-Westfalen in einem Grundsatzurteil, das mittlerweile durch die Neuregelungen des KICK obsolet wurde, den Bedarf einer Minderjährigen als Leistungsempfängerin einer Hilfe zur Erziehung auf eigene Förderung und eine Hilfe zur Erfüllung ihrer Rolle als Mutter eines Kindes. Ein Defizit, das vor der Geburt des Kindes eine Heimerziehung notwendig gemacht habe, beeinträchtige regelmäßig auch die Fähigkeit, die Erziehungsverantwortung für ein Kind zu übernehmen, so das Gericht. Die Folge waren nicht nur enorme Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Hilfen in Mutter-Kind-Einrichtungen und in Einrichtungen der Erziehungshilfen (vgl. Rechtsspalte in ForE 3/ 2005). Diese Begründung zeigt auch das Unverständnis bei einer frühen Elternschaft und den fast „automatischen“ alleinigen Fokus auf die mögliche Kindeswohlgefährdung, die die jugendlichen Mütter und Väter aus dem Auge zu verlieren droht.

Gabriele Bindel-Kögel und Rita Bünemann de Falcón sprachen schon vor über zehn Jahren von der Unsichtbarkeit der jungen Mütter und besonders der Väter, aber auch von der sichtbaren Provokation der frühen Mutterschaft. Innerhalb der Gleichaltrigengruppen erscheinen die jungen Eltern mit einem großen Schritt in die Erwachsenenwelt enteilt, können nicht mehr so bruchlos an den Freizeitevents u.a. teilnehmen, sollen Kinderlieder singen, die sie als Jugendliche immer uncool fanden, Für die Erwachsenen erscheinen vor allem die jungen Mütter selbst noch als Heranwachsende, deren Status mit der Mütter- und Vaterrolle unvereinbar ist, sodass sie wieder stärker zu erziehende und zu beobachtende große Kinder (nun mit Babys) werden sollen. Trotz aller Probleme, die mit der frühen Mutter- und Vaterschaft einhergehen und die von unzureichenden Wissensbeständen, geringen materiellen Mitteln, Ängsten und fehlenden Ausbildungsperspektiven geprägt sind, können sozialpädagogische Hilfen für junge Menschen in diesen Lebenslagen wohl nur dann erfolgreich sein, wenn auch die vorhandenen gestalterischen und eigensinnigen Fähigkeiten und Energien wahrgenommen werden.

Von den Versuchen der Hilfe und Förderung vorwiegend für junge Mütter und ein wenig auch für junge Väter berichten die Beiträge in diesem Heft. Gabriele Bindel-Kögel beschreibt in einem Grundsatzbeitrag die Lebenslagen junger Mütter in Deutschland und fragt stärker nach der Rolle der Jugendhilfe bei Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie, Schule, Ausbildung und Beruf. Barbara Bütow und Mauri Fries beschreiben anhand ihres entwicklungspsychologischen Beratungsansatzes, wie durch videogestützte Beobachtung und Reflexionen der Eltern-Kind-Interaktionen junge Mütter und Väter emotional und praktisch in ihrem Erziehungsalltag gestützt werden können. Andrea Rakers widmet sich in ihrem Beitrag der stationären pädagogischen Arbeit mit den Kleinkindern und jungen Müttern durch unterschiedliche Fachkräfte in einem Wohnprojekt. Sie schildert die Probleme bei der Arbeit auch mit speziellen Zielgruppen wie psychisch kranke und Drogen konsumierende Mütter. Im Kasten mit dem Titel „Aufsuchende Familienhilfe für Junge Mütter“ stellen Sabine Fliß und Iris Riepenhausen Möglichkeiten der frühen Ansprache durch Familienhebammen und Sozialarbeiterinnen des Jugendamtes vor.

Schließlich werfen Heike Kawalek, Petra Milster und Thomas Tack einen Blick auf die Möglichkeiten der Väterarbeit im Rahmen der Hilfen für junge Eltern. Sie versuchen der „Unsichtbarkeit“ der jungen Väter durch Begleitung, Beratung und auch Unterstützung in Trennungsphasen entgegenzuwirken. Die Beiträge zeigen, die Jugendhilfe muss und kann jungen Menschen in dieser Lebenslage Stützungen und eine Stimme geben. Eine Stimme, der Gehör verschafft werden sollte im Chor der Familienförderungseuphorie.

Josef Koch

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