ForE 5/06 Wirkungsorientierung

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters
Deutschland - ein Sommermärchen?

Friedhelm Peters
Zum Stichwort: Wirkungsorientierung/ wirkungsorientierte Steuerung

Holger Ziegler
What Works? - Probleme einer ‚wirkungsorientierung’ in der Sozialen Arbeit

Andreas Polutta
Der Blick auf pädagogische Effekte und wissenschaftliche Evidenz. Wirkungsorientierung in Jugendhilfepraxis und Jugendhilfeforschung

Hiltrud von Spiegel
Wirkungsevaluation und Wirkungsdialoge in der Jugendhilfe. Was ist realistische Erwartung, was Ideologie?

Martina Feistritzer, Rüdiger Kuehn, Wilfried Pabsch
Softwaregestütztes Qualitäts-Management in den Hilfen zur Erziehung als Unterstützung fachlicher Reflexionsprozesse

ForE fragt Michael Winkler
Ist pädagogisches Denken immer Denken in Wirkungszusammenhängen?

Charel Schmitt
Bericht der FICE Tagung in Sarajevo

Hans Thiersch
Institutionalisierung und Entgrenzung – die sozialräumliche Perspektive in der Sozialen Arbeit und die Konsequenzen für integrierte Erziehungshilfen

Jens Pothmann
Neuordnung der Jugendhilfestatistik: Ab 01.01.2007 neue amtliche Statistik zu den Hilfen zur Erziehung

 

Schwerpunktthema: Wirkungswahn und Wirkungswille

Jugendhilfe sollte sich auch unter Effizienzgesichtspunkten entsprechend weiter qualifizieren; dringend muss die Lücke im Bereich der Jugendhilfe-Wirkungsforschung geschlossen werden; Jugendhilfe muss ihre Erfolge auch mit "harten Fakten" beweiskräftiger machen", so einigte sich die Koalition von CDU/CSU und SPD im November 2005: 125).

In den Kommunen waren diese Debatte und Forderungen im Zuge der Qualitätsdebatte und Ökonomisierung von Jugendhilfeleistungen längst schon angekommen. Vor allem die Steuerungsmöglichkeiten nach dem SGB 78a-g sollen genutzt werden, dass Entgelte zum Teil in Abhängigkeit von nachgewiesen Wirkungen gezahlt werden. Ziele und Zweck der Hilfen gelte es in den Mittelpunkt zu stellen, entscheidend ist das Ergebnis, Struktur-und Prozessqualität sind nur Hilfskonstrukte, so der Tenor aus Kommunal, Landes- und Bundesprojekten, die eine "wirkungsorientierte Steuerung" vor allem der Hilfen zur Erziehung im Blick haben. Nun ist es sicher nicht erstaunlich, wenn ein kostenintensiver Bereich der sozialstaatlichen Leistungen immer wieder in Legitimationsnotwendigkeiten gerät. Irritierend ist aber der Eindruck, dass der Nutzwert für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger trotz der Wirkungsdebatte bisher nicht stärker in den Blickpunkt rückt. Es scheint zumindest nicht zu gelingen - um vorsichtig zu formulieren - mit einer Wirkungsdebatte auch die Lebensschwierigkeiten und ihre Bewältigung bzw. Bewältigungshilfen zum Thema einer öffentlichen Debatte zu machen.

Wenn es wirklich darum gehen soll, Erfolge sozialpädagogischer Arbeit transparenter, öffentlicher, nachvollziehbarer zu machen und nicht nur um die Einsparung sozialstaatlicher Leistungen und die "Privatisierung von Bewältigungsaufgaben" (Thiersch in diesem Heft), dann braucht es öffentliche Klarheit über Grundsatzfragen wie z.B.: Würden wir eine Debatte, ob und wann sich der finanzielle Aufwand für die Kinder- undJugendhilfe denn "lohnt", so auch führen im Alten- und Behindertenbereich? Und weiter: Welche Wirkungen, auf welchen Ebenen sind für wen interessant und aussagekräftig? Geht es um individuelle Wirkungen bei HilfeadressatInnen? Wenn ja, sollen sozialpolitisch "wünschenswerte" Wirkungen vorrangig beschrieben werden, die "für" die AdressatInnen formuliert werden oder eher solche, die diese für sich selbst gesetzt haben? Oder geht es eher um finanzpolitische globale Steuerungen und Wirkungen, die auf ein Gesamtgemeinwesen bezogen sind? Oder: In welchem Kontext diskutieren wir über Ziele und die "Steuerung über Wirkungsziele"? Auf der Ebene der Kostenträger, wo Ziele im Planungsprozess klar gefasst und operationalisiert sein müssen, oder auf der Ebene der Arbeit mit AdressatInnen, wo Ziele ständig neu ausgehandelt werden müssen, sich verändern, der Kontext wechselt oder meinen wir den erzieherischen Alltag, wo es trotz aller Erziehungstrainings niemals darum geht, Menschen nach Zielen und Indikatoren "zu führen".

Das vorliegende Heft fragt nach Chancen, Problemen und Hintergründen der Wirkungsausrichtung in den Erziehungshilfen. Nach einer Einführung durch Friedhelm Peters beschäftigt sich Holger Ziegler mit dem aus dem englischsprachigen Raum einsickernden Ansatz einer "evidenz-basierten" Sozialen Arbeit, die mit identifizierbaren Risikofaktoren zu validen Entscheidungsgrundlagen beitragen soll. Andreas Polutta stellt die Leitfragen und Wirkungsdimensionen für die wissenschaftliche Evaluation im Bundesmodellprojekt zur "wirkungsorientierten Jugendhilfe" vor. Hiltrud von Spiegel setzt sich im Anschluss daran mit vorliegenden Ansätzen zur Wirkungsmessung in den Erziehungshilfen auseinander und fragt nach dem Gewinn für die Einrichtungen. Martina Feistritzer, Rüdiger Kuehn, Wilfried Pabsch zeigen am Hamburger Beispiel Möglichkeiten auf, wie freie Träger im Rahmen von Qualitätsentwicklungsvereinbarungen Daten und Dokumentationennutzen können zur fachlichen Reflexion von Förderbedarfen und Ressourcen. Schließlich geht Michael Winkler im Gespräch der Frage nach, worin sich die heutige Befassung mit dem Thema "Wirkungszusammenhänge und pädagogisches Handeln" unterscheidet von früheren Thematisierungen. Deutlich wird durch die Schwerpunkt- und Diskussionsbeiträge in diesem Heft (siehe auch Thiersch), Erziehungshilfen müssen für ihre Arbeit werben und nicht nur Probleme anklagen, sondern auch öffentlich machen, wie sie mit Menschen tragfähige Lösungen finden.

Josef Koch

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