ForE 2/07 Erziehungshilfe und Schule

Aus dem Inhalt

Stephan Maykus:
Hilfe zur Erziehung im schul- und bildungsbezogenen Kontext –zur Aktualität von Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe

Steuerung kommunaler Kooperation zwischen Schule und Erziehungshilfen. Ein Interview mit Ulrike Brittinger und Bruno Pfeifle

René Bastian:
Vom Fall zum Feld – 10 Jahre Praxisentwicklung und Perspektiven

Margarete Finkel:
Schulbegleitung: eine Erziehungshilfe zur Integration in die Regelschule

Bettina Terp:
Krisenzentren in Wien

Manuel Arnegger:
Betreutes Wohnen: Jugendamt muss geeignete Hilfe finanzieren - Ein Fallbericht des BRJ e.V., Berlin

Christiane Hornstein, Erika Hohm, Elvira Rave:
Die Beurteilung der Erziehungsfähigkeit im Kontext psychischer Erkrankungen in der frühen Mutterschaft

Britta Sievers:
Grenzüberschreitende Fallarbeit in der Jugendhilfe –Ergebnisse eines Praxisforschungsprojekts

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Schwepunktthema: Erziehungshilfe und Schule

Spätestens seit dem 12. Kinder- und Jugendbericht („Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule“) wird breiter denn je über die Kooperation von Jugendhilfe und Schule und dabei insbesondere über ein abgestimmtes System von Bildung, Betreuung und Erziehung diskutiert. Fragen der Kooperation zwischen Erziehungshilfen und Schule bestimmen derzeit den öffentlichen Diskurs noch wenig. Zunehmend wird jedoch deutlich, dass im Zuge der Umsetzung der Ganztagesschulen sowohl die Kooperation als auch die konzeptionelle Entwicklung z.B. von Tagesgruppen- und Wohngruppenarbeit unter Druck gerät.

Bei den Recherchen im Internet wird man/frau unter dem Stichwort „Erziehungshilfen und Schulen“ auf eine Angebots- bzw. Beschulungsform, nämlich die Schulen für Erziehungshilfen, verwiesen. Debatten darüber, wie sich die Tagesgruppenarbeit und Wohngruppen mit den Angeboten der Ganztagesschulen verknüpfen lassen bzw. wie Ressourcen sinnvoll verbunden werden können, existieren zwar in Teilen in der Praxis, sind jedoch noch wenig in Veröffentlichungen zu finden und noch wenig theoretisch durchdrungen. Die aktuelle Schwerpunktausgabe will hierzu verschiedene Aspekte beleuchten und dabei unterschiedliche (Umsetzungs-)Ebenen in den Blick nehmen. Dabei geht es nicht um ein Weiterführen der Bildungsdebatte um PISA im Allgemeinen, sondern um konkrete kooperationsbezogene Fragestellungen nach den Eigenlogiken der Systeme „Schule“ und „Erziehungshilfen“ und die damit gegebenen Einbettungen sowie um Chancen und Grenzen von Kooperation.

Der Beitrag von Stefan Maykus liefert zunächst eine aktuelle Rahmung. Er ordnet Hilfen zur Erziehung in den schul- und bildungsbezogenen Kontext ein und geht darüber hinaus, indem er Entwicklungsszenarien der Zusammenarbeit von Erziehungshilfen und Schule und dazu gehörende offene Fragen entwickelt. Auf dieser einordnenden Grundlage lassen sich die drei anschließenden Praxisbeiträge lesen, die jeweils auf einer unterschiedlichen Ebene ansetzen:

Die Abstimmung oder gar die Zusammenlegung von Schulentwicklungsprozessen und kommunaler Jugendhilfeplanung wird im 12. Kinder- und Jugendbericht als Zukunftsaufgabe im Sinne einer kommunalen Bildungsplanung formuliert. Fragen und Themen, die sich den Leitungsspitzen der jeweiligen Systeme in Bezug auf ihren gemeinsamen kommunalen Steuerungs- und Gestaltungsauftrag stellen, beschreiben die Leiterin des Staatlichen Schulamtes Stuttgart, Ulrike Brittinger, und der Jugendamtsleiter, Bruno Pfeifle, und erläutern im Gespräch Ansatzpunkte am Beispiel der Stadt Stuttgart.

René Bastian, Mitarbeiter des VSP Dresden, fokussiert in seiner Praxisdarstellung die sozialräumliche Ebene. Er zeigt, dass eine enge regionale Verzahnung von Schulstrukturen, Hort- und Jugendhilfestrukturen (Tagesgruppe und Familienhilfe) neben Transparenz, klaren Strukturen und verbindlichen Kommunikations- und Kooperationswegen auch eines gegenseitigen Verständnisses der Handlungsmöglichkeiten, Aufgaben und Sichtweisen der Beteiligten bedarf.

Margarete Finkel dokumentiert schließlich anhand einer Fallgeschichte ein individuelles Entwicklungsarrangement bzw. eine Förderung, die es einem Jungen ermöglicht, durch den Einsatz der Erziehungshilferessource „Schulbegleiter“ seinen Wunsch zu verwirklichen, in der allgemeinbildenden Schule und damit auch in seinem persönlichen Umkreis zu bleiben. Dabei werden auch die Schwierigkeiten, die Spannungsfelder und der Ressourceneinsatz dieses Modells reflektiert.

Bei aller richtiger Kritik gegen die Segmentierungen des pädagogischen Feldes zwischen Jugendhilfe, Betreuungs- und schulischen Angeboten und den beschriebenen Versuchen, gemeinsame Bezugspunkte mit und für die Kinder und Familien zu suchen, haben die Erziehungshilfen und insgesamt die Sozialpädagogik eine eigene, noch wichtiger werdende Aufgabe: Sie versuchen, die Möglichkeiten und Fähigkeiten von Einzelnen zu sichern, um überhaupt in Bildungs- und Lernprozesse eintreten zu können - und das auch in Krisen und Überlebenskämpfen. Dafür bedarf es einer verstärkten Thematisierung der Bedingungen des Aufwachsens von jungen Menschen und der öffentlich vorgetragenen Frage nach dem gesellschaftlichen Konsens darüber, welche materiellen, infrastrukturellen und pädagogischen Stützungen zur Verfügung gestellt werden müssen

Claudia Daigler, Thomas Drößler, Josef Koch

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