ForE 1/08 Elternarbeit - Chancen und Herausforderungen

Aus dem Inhalt

Norbert Struck:
Schaden statt Aufklärung: Zum Wirken der "Deutschen Kinderhilfe Direkt"

Nicola Gragert, Mike Seckinger:
Herausforderungen für die Zusammenarbeit mit Eltern in den Erziehungshilfen

Ian Sinclair:
Erfahrungen mit familiären Umgangskontakten von Pflegekindern in England

Günther Koch, Rolf Lambach:
Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem in SOS-Kinderdorffamilien

Andreas Rhode-O´Neill, Waltraud Stuntebeck:
Elternarbeit im Sozialraum - das Kinderhaus Asangstraße 

Josef Koch:
Kinder- und Jugenddörfer in Israel - Bericht über zwei Austauschreisen mit israelischen HeimkollegInnen

Katja Müller, Martina Kriener:
Für mehr Partizipation: Hilfeplanung mal ganz anders

FG Heimerziehung in der IGfH:
Was tun mit schwierigen Kindern und Jugendlichen in schwierigen Zeiten? 

 Anne Löckener:
Kooperation von Frauenhäusern und Jugendhilfe - eine Herausforderung für die Praxis der Sozialen Arbeit

Björn Hagen:
Bereitschaftsdienst als Arbeitzeit

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Schwerpunktthema: Elternarbeit - Chancen und Herausforderungen

Hilfe zur Erziehung ist eine Leistung, auf die Eltern (bzw. Personensorgeberechtigte) bei der Erziehung eines Kindes oder eines Jugendlichen Anspruch haben, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist (§ 27 SGB VIII). Elternarbeit als Einbeziehung der Erwachsenden in ganz unterschiedliche alltägliche Handlungen, in besondere Aktionen und in die Bildungs- und Erziehungsarbeit mit betreuten Kindern und Jugendlichen von Seiten der professionellen Fachkräfte hat sicher vor dem Hintergrund des KJHG sowie im Zuge der Ausdifferenzierung der Hilfen in den letzten Jahrzehnten einen größeren Stellenwert erhalten. Sicherlich, in puncto Elternarbeit ist auch von Trägern zu viel versprochen worden (Conen in ForE 3 (2006), S.174).

Versprechungen sind aber das Eine, die gewandelten Rahmenbedingungen undgesellschaftlichen Diskurse für gelingende Elternarbeit sind das Andere. Die Familien und die Eltern scheinen einerseits als "rettende Ressource" wiederentdeckt zu sein und andererseits begegnet man Eltern von Kindern und Jugendlichen, die Hilfen zur Erziehung erhalten, mit großer Skepsis. Da sollen Eltern frühzeitig noch während und kurz nach der Geburt zu überprüfenden Untersuchungen einbestellt und dies vom Jugendamt kontrolliert werden, da gibt es Geldbußen für Eltern, wenn Kinder die Schule schwänzen, Eltern müssen trainiert werden in Kursen und die Super-Nanny im Fernsehen übt mit den Eltern ein Verhaltensprogramm im Umgang mit dem Nachwuchs. Kontroll- und Trainingsaufträge an die Eltern scheinen im Rahmen der neuen Kindesschutzdebatte eine andere Form von "Elternarbeit" zu werden.

Und mitten in diesen normativen Neujustierungen bleiben auch die alten Fragen: Welche fundierten Formen der Elternarbeit können die Fachkräfte im Heim oder in der Tagesgruppe überhaupt leisten, wenn die Arbeit mit Erwachsenen in der Ausbildung kaum eine Rolle spielt? Was ist überhaupt leistbar an Formen der Elternarbeit angesichts der personellen Ausstattung in Heimen? Warum setzt Elternarbeit häufig erst dann intensiver an, wenn eine Rückführung in die Herkunftsfamilie anstehen soll?

Trotz all dieser externen Zuschreibungen und Einflussnahmen auf die Formen der Elternarbeit wissen wir aber aus den Identitäts- und Bindungstheorien, dass Eltern für Kinder auch dann noch eine herausragende Bedeutung haben,wenn sie unzureichend versorgt, geschlagen, misshandelt oder getrennt wurden. Und wir wissen, dass es bei den Formen der Elternarbeit immer um die Perspektiven der einzelnen Beteiligten geht und um den Nutzen, den die Mutter, der Vater, aber auch die Geschwister, das untergebrachte Kind aus dem Einbezug in die professionelle Hilfe zur Erziehung haben.

Vor diesem Hintergrund greift die Redaktion nach mehreren Jahren das Thema Elternarbeit noch mal in Form eines Schwerpunktheftes auf und fragt mit Mike Seckinger und Nicola Gragert, warum es in den erzieherischen Hilfen und insbesondere in den stationären Hilfen nur selten gelingt, eine solche gleichwertige, von gegenseitiger Achtung und Anerkennung geprägte Beziehung zwischen Fachkräften und Eltern zu etablieren. Ian Sinclair zeigt anschließend aus der Perspektive der britischen Erfahrungen und Forschungen, wie schwierig und zugleich herausfordernd es für Pflegekinder ist mit verschiedenen Eltern(-teilen) zu leben. Sinclair schildert anhand der Frage von Umgangskontakten, wie differenziert Kinder ihre einzelnen Familienmitglieder und ihre zugeschriebenen Kontakte wahrnehmen und schätzen und welche Rolle hier Professionelle spielen können. Für eine hartnäckige Bescheidenheit in der Verfolgung von Zielen im Rahmen der Elternarbeit plädiert Günther Koch anhand eines Forschungsberichtes zur Kooperation mit Herkunftseltern in Kinderdörfern. Ihre Adäquatheit bemisst sich nicht an allgemeinen Zielen - etwa der Verkürzung von Unterbringungszeiten - sondern an der Deckung des einzelfallspezifischen Bedarfs, so der Autor.

Thomas Wilsdorf hat im Rahmen seiner Diplomarbeit in Sozialer Arbeit an der Hochschule Neubrandenburg eine kleine leitfadengestützte Befragung von MitarbeiterInnen in Wohngruppen vorgenommen. Gefragt wurde nach der Bedeutung von Elternarbeit in Konzepten und in der Praxis, den Zielen und Methoden, den zur Verfügung stehenden Ressourcen, den Hindernissen und Erfolgen. Er zeigt schlaglichtartig etwas über Haltungen von Professionellen gegenüber den Eltern. Schließlich beschreiben Andreas Rhode-O´Neill und Waltraud Stuntebeck aus der Sicht eines Kinderhauses, das eng im Stadtteil verwoben ist, wie Elternarbeit gelingen kann und welche Rahmenbedingungen es dafür braucht.

Josef Koch

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