ForE 5/08 "Achtundsechzig"...

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters:
Wird der Kapitalismus jetzt gezähmt?

Friedhelm Peters:
„Achtundsechzig“ und die Wiederentdeckung praktischer Gesellschaftskritik

Manfred Kappeler:
„Achtundsechzig“ und die Folgen für Pädagogik und Soziale Arbeit

Timm Kunstreich:
Anmerkungen zu einer kritischen Theorie Sozialer Arbeit - Oder Einiges von dem, was ich glaube, seit 1968 verstanden zu haben

Dirk Schäfer, Norbert Struck:
Achtundsechzig - ein kurzes „Generationen“-Gespräch

Burglinde Retza, Anne Frommann:
Biografische Erinnerungen

Christiane Kluge:
„Was ist in Schweden anders?“

Eckart Schmidt:
Magdeburger Erklärung anlässlich der IGfH-Jahrestagung „Professionelle Patenschaft“ Kann Jugendhilfe dauerhaft-stützende Beziehungen ermöglichen?

Peter Hansbauer:
Die Ergebnisse einer Mitgliederbefragung bei der Internationalen Gesellschaft für Erziehungshilfen (IGfH)

Norbert Struck:
Das Gesetz zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege (KiföG)

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Schwerpunktthema: Achtundsechzig …

„Jubiläen“ sind günstige Einstiegsmöglichkeiten zur öffentlichen Thematisierung von Fragestellungen, hier insbesondere von solchen Fragen, die überdauernden Charakter haben. Die mit dem Jahr Achtundsechzig und den Folgejahren verbundenen Reformbewegungen hatten offensichtlich einen „Überschuß von Unabgegoltenem“ wie dies einst Ernst Bloch formulierte, sonst wäre die Faszination dieses Datums (und die vielen würdigenden, aber auch gerade konträren und abwehrenden Veranstaltungen und Publikationen) eigentlich nicht verständlich. Nach Oskar Negt hat die „68er-Bewegung“ insbesondere auf zwei Feldern mit „Ernst und Ausdauer über Veränderungen nachgedacht und sinnvolle praktische Experimente gemacht (…) Ich meine das Gebiet der Erziehung und Bildung, wie vor allem aber die entscheidende Neubewertung von Teilhabe und Demokratie. Beides sind wesentliche politische Probleme“ (Aus: Politikund Zeitgeschichte; APuZ 14-15/2008) – die Partizipationsdebatte, die Debatte um Kinderrechte, die in der Jugendhilfe verschwundene (?) Idee der Selbstregulierung, die aber in den positiv bewerteten Ländern in den PISA-Studien an hervorgehobener Stelle steht und vieles mehr, sind ein Abglanz davon. Und nicht zuletzt die Fürsorge- und Zwangserziehungskonzepte aus der Weimarer-Zeit und des Faschismus gerieten durch die 68er-Bewegungen in Westdeutschland, ihre entwickelten Alternativen und Skandalisierungen in den 60er und 70er Jahren unter Druck, so dass sich allmählich unsere Angebotspalette im Bereich der Hilfen zur Erziehung – sicherlich regional sehr unterschiedlich und ständig bedroht – in der heutigen Form ausdifferenziert haben.

Das vorliegende Heft versucht, durch die Verbindung von Biografie und Zeitgeschichte (Frommann, Kappeler, Retza in diesem Heft) oder in der Form der Collage - die bewusst vereinseitigend einige Aspekte hervorhebt (Peters) und andere vernachlässig - sich dem Klima, dem Denken und den Reformimpulse, die von diesen Jahren ausgehen, zu nähern. Friedhelm Peters zeigt im einleitenden Grundsatzbeitrag, welche geschichtlichen und gesellschaftskritischen Dimensionen angesprochen waren und sind. Er verweist auf die westdeutschen Besonderheiten und macht deutlich, wie das Aufbrechen von Verkrustungen und die erste öffentliche Thematisierung der Jugendhilfe einher ging mit einer zwiespältigen Erfolgsgeschichte in den Hilfen zur Erziehung, die noch heute in Form einer technologischen Ausrichtung auf Erziehungsprozesse und deren Bewertung spürbar ist. Manfred Kappeler schildert aus Sicht der schon 1968 im Beruf stehenden, aber reformmotivierten SozialarbeiterInnen, die zunehmend enttäuscht und desillusioniert über die Verhältnisse in den Erziehungshilfen waren, wie diese zu Forderungen nach tiefgreifenden Veränderungen in der Jugendhilfe, in der Sozialen Arbeit insgesamt als Teil einer Umgestaltung der Gesellschaft kamen. Dabei war es ihnen wichtig, über Modelle zu zeigen, wie Jugendhilfe/ Soziale Arbeit anders gemacht werden kann. Timm Kunstreich erinnert daran, dass die Kritische Theorie für die Soziale Arbeit durch die Kombination von marxistischen und psychoanalytischen Perspektiven eine neue Verknüpfung von Theorie und Praxis aufzeigte. Für die Hilfen zur Erziehung folgert der Autor heute - in Anwendung der Kritischen Theorie -, dass dann nicht Hilfe, sondern egalitäre Gerechtigkeit der Orientierungspunkt des Handelns sein müsse. Schließlich kommen zwei wichtige Zeitzeuginnen aus dem IGfH–Kontext zu Wort. Burglinde Retza und Anne Frommann zeigen mit jeweils eigenen kurzen, biografisch geprägten Beiträgen wie Vieles und Unterschiedliches - auch jenseits der Metropolen - sich mit den Einflüssen aus Achtundsechzig verbinden kann. Eine wechselseitige Befragung zwischen einem jungen Kollegen (Jahrgang 1980) und einem älteren Kollegen der Nach-Achtundsechziger Generation (Jahrgang 1953) runden das Heft ab. Dirk Schäfer, als Mitglied des IGfH Forums „Start“, einer Plattform für junge BerufseinsteigerInnen, und Norbert Struck, Jugendhilfereferent des Paritätischen Gesamtverbandes und AGJ-Vorsitzender, sprechen über ihre persönlichen Wahrnehmung der mit der Protestbewegung von 1968 in Gang gekommenen Reformen auch für die Erziehungshilfen. Die Beiträge versuchen – zum Teil bewusst sehr subjektiv – dem ernsthaft nachzugehen, was in den späten 60er Jahren aufbrach und auch in den Hilfen zur Erziehung „in äußerlich nicht immer kenntlich zu machender Maulwurfarbeit auf den Weg gebracht worden ist“, wie Oskar Negt dies formulierte.

Josef Koch

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