ForE 2/10 Kleine Kinder und Erziehungshilfen

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters:
Reform und Klassenkampf

Florian Esser:
Kindheit zwischen Familie und Wohlfahrtsstaat. Ein historischer Rückblick

Katja Wohlgemuth:
Zwischen Rarität und Ressource – (Sozial-)politische Perspektiven auf Kinder und Kinderschutz 

Norbert Struck:
Interview mit Uta von Pirani (Jugendamtsleiterin im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin)

Petra Hiller:
Kinder in den stationären Hilfen zur Erziehung

Iryna Rossel und Fanny Ebert:
Arbeitsmigration und Heimerziehung in der Ukraine

Roland Berner:
Selbst. Bestimmt. Einige Gedanken zum Persönlichen Budget mit Blickauf die Möglichkeiten in der Jugendhilfe

Neues Manifest zur Pflegekinderhilfe Eine Initiative der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH ) und des Kompetenz-Zentrums Pflegekinder e.V. zur qualitativen Weiterentwicklung der Pflegekinderhilfe

Hans-Ulrich Weth:
Regelleistungen und Sozialgeld für Kinder müssen neu festgelegt werden. Zum Hartz IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Stellungnahme des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes zum Referatsentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Vormundschaftsrechts

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Schwerpunktthema: Kleine Kinder und Erziehungshilfen

Erziehungshilfen für junge, kleine Kinder auszugestalten, stellen besondere Herausforderungen vor allem an die Fachkräfte und Institutionen, aber auch an die Eltern. Ortswechsel und Beziehungsabbrüche sind gerade in jungen Jahren besonders begründungspflichtig, so dass es immer um das Abwägen von möglichen Schäden und Belastungen für das Kind einerseits und seinen neu zu findenden Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten auf der anderen Seite gehen muss. Laut Statistik nehmen die Unterbringungen von unter 6-jährigen in den stationären Hilfen seit 2003 kontinuierlich zu und liegen 2008 bei 9% der begonnenen Hilfen. Bei jeder zehnten Hilfe werden Kinder unter 6 Jahren bei einer Pflegefamilie oder in einem Heim untergebracht (vgl. die eingestreuten aktuellen Grafiken von der Dortmunder Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik in diesem Heft).

Eindeutig empirisch abgesicherte Erklärungen für diese statistisch wahrnehmbare Zunahme gibt es nicht. Ebenso wie nicht belegt werden kann, dass die Zunahme der Zahlen auch eine deutlich veränderte Unterbringungspraxis bedeutet, denn auch hinter § 34 SGB VIII Hilfen können sich familienähnliche Betreuungen verbergen. Dennoch wirken heute manche vor über 20 Jahren geführten kritische Diskussionen um die Säuglingsheime und Hospitalismusschäden fast vergessen, bei aller Aufgeregtheit und „gefühltem“ Handlungsdruck in einer auch medial geführten Kinderschutzdebatte. Die Einrichtungen haben allerdings in diesem Zusammenhang nicht unbedingt ein Interesse daran, die Kinder lange zuhalten, aber die Familiengerichte kommen in ihren Entscheidungen nicht nach. Eine interessante Erfahrung der Redaktion bestand übrigens darin, dass es äußerst schwierig war, einen Beitrag zur Unterbringungspraxis und Einschätzung der Zunahme von kleinen Kindern in den Erziehungshilfen von Seiten der Jugendämter zu gewinnen, so dass diesem Blickwinkel letztlich nur ein Interview mit einer Jugendamtsvertreterin gerecht wird.

Gerade deshalb muss die Frage in aller Deutlichkeit z.B. im Rahmen der Inobhutnahme gestellt werden: Was geschieht mit kleinen Kindern in diesem Lebensfeld, in dem Fluktuation die Regel ist und konzeptionell regelrecht vorgesehen? Gleichzeitig zeigt uns Eric van Santen in einer Forschungsnotiz in diesem Heft, dass je niedriger das Alter bei Beginn der Hilfe in Fremdpflege war, desto länger sich die Verweildauer gestaltet.

Es lohnt sich also genauer nachzuschauen und zu fragen: Wie hat sich der Blick auf Kindheit in den letzten Jahren verändert? Welche Faktoren könnten zu einer Zunahme der Herausnahmen/ Unterbringungen beitragen? Wie wird seitens der Praxis auf den Anstieg reagiert?

Florian Eßer beginnt mit einem historischen Rückblick. Kindheit ist sozialkonstruiert. Dies bedeutet, dass sich Anschauung von Kindheit und die Vorstellung des guten Aufwachsens im Laufe der Geschichte wandelt. Die jeweilige Sicht auf Kindheit, so der Autor, beeinflusst auch den Umgangmit Kindern und die für sie getroffenen Maßnahmen im Rahmen der Sozialen Daseinsfürsorge sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Katja Wohlgemuth zeigt wie die Idee des Kinderschutzes mit der Präventionslogik zusammentrifft und welche Konsequenzen daraus erwachsen. Ihre provokante These lautet: Die Familie wird gerade in sozialbenachteiligten Schichten als Ort der Gefährdung identifiziert und eine Trennung von jungen Kinder und Familie daher als probates Mittel des Kinderschutzes akzeptiert.
In einem Interview mit Uta Pirani, Jugendamtsleiterin im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf (Berlin), fragt dann Norbert Struck nach der Notwendigkeit der Unterbringung von Kleinstkindern und den speziellen Unterbringungskriterien aus Sicht eines Jugendamtes.
Petra Hiller beschreibt in ihrem Beitrag, mit welchen Anforderungen eine Jugendhilfeeinrichtung konfrontiert ist, die zunehmend auch kleine Kinder in Inobhutnahme und stationärer Wohngruppe aufnimmt. Neben der Veränderung des Alltages, stehen hier vor allem die veränderten Anforderungen an die MitarbeiterInnen im Mittelpunkt. Eingestreut in den Themenschwerpunkt sind Auswertungen der Bundesstatistik von der Dortmunder Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendhilfestatistik zu finden. Hier sind die Zunahmen der Unterbringungen für die unter Sechsjährigen deutlich nachzuvollziehen.

Nicole Rosenbauer, Xenia Spernau, Josef Koch

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