ForE 3/12 Bildung, Benachteiligung, Heimerziehung

Aus dem Inhalt

Thomas Berthold, Niels Espenhorst:
Still missing something! Bestehende Defizite bei der Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen

Rainer Treptow:
Bildungsprozesse im Feld der Heimerziehung: Partizipation, Transparenz, Weltbezüge

Maren Zeller:
Wie lassen sich Bildungsgelegenheiten in den Erziehungshilfen gestalten?

Heinz Müller:
Heimerziehung und Bildungsgerechtigkeit

Stephan Maykus, Virginia Dellbrügge:
Auswirkungen der Einführung von Ganztagsschulen auf die Hilfen zur Erziehung – erste Forschungsbefunde zu einem komplexen Zusammenhang

Christiane Kluge, Monika Weber:
Zwischen den Welten: Studienfahrt der Fachgruppe Mädchen und Frauen der IGfH nach Istanbul

Marie-Luise Conen:
Was ist los in den Jugendämtern? - Eine kurze Betrachtung

Roland Berner:
Steuerung und ihre Ziele in der Jugendhilfe

Fachgruppe Inobhutnahme der IGfH:
Kindernotruf Bochum – Best Practice?

 

„Heim, Erziehung und Bildung“ - Kein eindeutiges Verhältnis

Bildung ist seit einigen Jahren nicht nur ein gesellschaftliches Dauerthema, sondern wird auch im fachlichen und politischen Jugendhilfediskurs zunehmend relevanter. Sowohl pauschal, mit Blick auf die Kinder- und Jugendhilfe allgemein, als auch bezogen auf einzelne Leistungsfelder wird eine Frage immer wieder erörtert: Inwiefern sind Jugendhilfeleistungen als Bildungsleistungen zu sehen? Während der Bildungsbegriff für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, der Kindertagesbetreuung und frühkindlichen Förderung mittlerweile konkretisiert werden konnte, so verbleibt er im Kontext erzieherischer Hilfen nach wie vor unscharf und nicht eindeutig. Vor dem Hintergrund, dass die Erziehungshilfen im 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung als Bildungspartner der Schulen gar nicht in den Blick genommen wurden, muss konstatiert werden, dass bislang nur wenige fachwissenschaftliche Beiträge existieren, die sich um eine angemessene Verhältnisbestimmung bemühen. Als gemeinsamen Nenner lässt sich in der Debatte die Position erkennen, dass Erziehungshilfen weniger als bloße kompetenzorientierte Bildungsleistung, sondern eher als sozialpädagogische Leistung mit dem Ziel der Sicherung/Herstellung von Voraussetzungen für Bildungsprozesse bezeichnet werden sollten. Bereits vor vier Jahren beschäftigte sich die „Dritte Bundestagung Heimerziehung“ der IGfH mit dem besonderen Thema von „Heimerziehung und Bildung“. Auch dort wurde deutlich, dass Bildung zwar in alltagspädagogischen Bezügen stets erkennbar ist; eine klare und eindeutige Konturierung von dem, was denn nun letztlich als Bildungsauftrag der Erziehungshilfen und der Heimerziehung im Besonderen verstanden und wie gerade Heimerziehung im Verhältnis zur Bildungsvermittlung definiert werden kann, ist jedoch nicht erkennbar. Vielleicht ist aber gerade dies nicht ein Manko, sondern durchaus gewollt und das Spezifikum der stationären Erziehungshilfe, die im Vergleich zur Familienerziehung eben auch die aktuell von Winkler (2012; Erziehung in der Familie, Kohlhammer) konstatierte „Mehrdeutigkeit von Bildungsprozessen“ initiieren muss, um als Sozialisationsgarant erfolgreich zu sein und Bildungsprozesse überhaupt erst zu ermöglichen.

In diesem Themenheft wird die Frage nach dem eher vielschichtig zu betrachtenden Bildungsverständnis im Kontext stationärer Erziehungsarrangements erneut aufgegriffen. Dabei benennt Rainer Treptow einleitend die Komplexität und Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Bildungsbezüge der Heimerziehung als Bildungsort. Er verweist letztlich auf die Relevanz, die mit der Bewusstwerdung dieser Bezüge verbunden ist, wobei er es nicht für zwingend erforderlich hält, „Heimerziehung bildungstheoretisch zu reformulieren“, sondern stattdessen den genuinen Stellenwert der Erziehung nicht vernachlässigt wissen möchte. In dem darauf folgenden Beitrag beschäftigt sich Maren Zeller mit der Bedeutsamkeit von erzieherischen Hilfesettings und insbesondere stationären Hilfen für den individuellen Bildungsprozess. Dabei wird zum einen deutlich, wie Bildungsprozesse durch die methodische Bearbeitung biografischer Erfahrungen gefördert werden können. Zum anderen macht sie den Einfluss des Wechselspiels von subjektiven und institutionellen Erfahrungen auf den „biografischen Bildungsprozess“ von Kindern und Jugendlichen sichtbar, die eben nicht „eindeutig“ verlaufen. Heinz Müller widmet sich anschließend der Frage nach der Bildungsgerechtigkeit und der Rolle, die die Heimerziehung bei der Herstellung von gleichen Bildungschancen spielen kann. Er lenkt den Blick dabei auch auf die infrastrukturelle Einbindung von stationären Hilfen in kommunale Bildungsnetzwerke. Stephan Maykus und Virginia Dellbrügge beschließen den Themenblock mit einem Beitrag zu den Auswirkungen der Ganztagsschule auf Strukturen und Arbeitsweisen der Erziehungshilfen. Sie zeigen erste empirische Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das die aktuellen Entwicklungsimpulse und -bedingungen der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext der Ganztagsschulentwicklung in Baden-Württemberg analysiert.  

Gregor Hensen und Stephan Maykus

Verwandte Inhalte: 

2009: Jürgen Hast, Dirk Nüsken, Gerald Rieken, Horst Schlippert, Xenia Spernau, Mirjana Zipperle (Hrsg.): Heimerziehung und Bildung. Gegenwart gestalten - auf Ungewissheit vorbereiten. Frankfurt.

Bildung – das Wort, der vermutete Inhalt – hat Konjunktur. Dabei ist auch und gerade Heimerziehung ein Ort der Bildung in der Gegenwart junger Menschen, die auf eine größer werdende Zukunftsungewissheit vorbereitet werden sollen. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Arbeit mit jenen Mädchen und Jungen, die häufig genug als„ModernisierungsverliererInnen“ gelten?

Materialien für Mitglieder: 

* Mit einem Stern markierte Inhalte sind nur für angemeldete Mitglieder zugänglich:

Partnerschaften

Weiter zum BMFSFJ Weiter zur Beltz-Juventa-Seite Weiter zur Walhalla-Seite     Weiter zur Bloombox GmbH
Powered by Drupal