ForE 5/12 Schutz und Kontrolle in der SPFH?!

Aus dem Inhalt

Norbert Struck:
Inklusion und Schule – Wir brauchen einen Rettungsschirm, der über die Fallstricke trägt!

Reinhold Schone:
Erziehungshilfe im Wandel? – Schutz- und Kontrollkonzepte in der Sozialpädagogischen Familienhilfe

Ulrike Urban-Stahl:
Was ist sozialpädagogische Fachlichkeit?

Klaus Wolf:
Gegen die falsche Alternative - Schutz der Kinder und des privaten Lebens

Simon Mohr, Holger Ziegler:
Zur Kultur der Kontrolle in der Kinder- und Jugendhilfe

Friedhelm Peters:
Erleben wir wirklich ein neues Kontrollmuster oder kommt die SPFH zu sich selbst?

Bettina Terp:
Internationale Treffen der Fédération Internationale Communautés Educatives (FICE) – ein Kurzbericht

Jürgen Strohmaier:
Die Erfahrung der Wirksamkeit - Erfahrungswissen als Aspekt von Wirksamkeit

Bernhard Demmel, Judith Klinger, Catharina Mühlbauer:
Intensiv-betreutes Familienwohnen (IBF) -- Ein Fallbericht

Norbert Struck:
Auswirkungen des § 8b SGB VIII

 

Schwerpunktthema: Schutz und Kontrolle in der SPFH

Im Rahmen und als Folge der Kinderschutzdiskussion in den letzten zehn Jahren kommt es im Rahmen der Hilfen zur Erziehung immer häufiger zu einer Ergänzung der Hilfeplanung durch sog. Schutzkonzepte zur Abwendung von Gefährdungsmomenten (Auflagen für Familien und Verabredung entsprechender Kontrollmodalitäten durch den ASD und die freien Träger). Ein solches Instrument ist indes im KJHG an keiner Stelle erwähnt oder explizit vorgesehen. Verfahrensregeln werden in allen Jugendämtern individuell festgelegt. Eine öffentliche Fachdiskussion dazu steht allenfalls erst am Anfang.

Dieses Heft macht solche Entwicklungen für den Bereich der Sozialpädagogischen Familienhilfe zum Gegenstand seines Schwerpunktes. Dabei wurde (wie schon einmal beim Thema Kinderschutz im Heft 3/2007) ein etwas anders Konzept der Heftzusammenstellung realisiert. Es wurde ein Ausgangstext (Schone), der der Redaktion frühzeitig vorlag, an die anderen AutorInnen versandt, mit der Bitte, sich mit ihren Beiträgen auch auf diesen Beitrag zu beziehen. Insofern ist dieses Heft durch eine eher diskursive Struktur geprägt, die der Redaktion geeignet scheint, die Positionen der AutorInnen besser herauszuarbeiten und stärker zu konturieren.

Die Ausgangsfrage, die von Reinhold Schone in seinem Ausgangsbeitrag aufgeworfen wird, ist die nach den Veränderungen, die die aktuelle Kinderschutzdiskussion für die SPFH mit sich bringt. Er stellt die These auf, dass sich die SPFH infolge dieser Dynamik weit von ihren Ursprüngen entfernt habe, da sie sich heute in der Regel selbstverständlich in solche Schutz- und Kontrollstrategien einbinden lasse. Dies rechtfertige einen besonderen Blick, weil sie die am weitesten in die Privatheit von Familien eindringende Hilfeform ist. Hierbei wird auf der einen Seite die Frage nach der Legitimität von Kontrollstrategien aufgeworfen. Auf der anderen Seite steht aber auch die Frage, warum die konzeptionellen Veränderungen (oder gar Metamorphosen) der SPFH nicht Gegenstand öffentlich geführter Fachdiskussionen sind, sondern sich eher implizit abseits des Fachdiskurses vollziehen.

Ulrike Urban-Stahl nimmt diese Fragen in der Weise auf, dass sie die Unaufhebbarkeit des Spannungsfeldes von Hilfe und Kontrolle auch und gerade in der SPFH noch einmal betont. Für sie ist es eher ein Vorteil, dass ehedem implizite und heimliche Kontrollstrategien heute stärker öffentlich verhandelt werden. Sie fordert aber auch angemessene Alternativen zu aktuell mitunter kontraproduktiven Kontrollstrategien.

Der Beitrag von Klaus Wolf wendet sich ausdrücklich gegen die „falsche Alternative“ von Kinderschutz auf der einen und Schutz der Privatsphäre von Familien auf der anderen Seite. Er macht aber auch deutlich, dass Kontrolle in der SPFH sich fachlichen Regeln unterwerfen muss, um ethisch akzeptabel zu sein und dass sie durch einen grundlegend wohlwollenden Umgang mit den Eltern getragen werden muss.

Simon Mohr und Holger Ziegler nähern sich dem Thema von einer anderen Seite. Sie fragen nach den Deutungsmustern von Fachkräften in der Sozialen Arbeit. Dabei stellen sie auf der Basis eigener Untersuchungen bei Studierenden und PraktikerInnen fest, dass diese ihren Klienten häufig die Verantwortung für ihre Lage selbst zuschreiben, woraus auch eher disziplinierende Handlungsstrategien resultieren. Zudem wird hier ein enger Zusammenhang zwischen solchen Strategien und der vorherrschenden Organisationskultur der Träger thematisiert.

Friedhelm Peters schließlich schlägt einen Bogen zur Kritik an der SPFH in ihrer Entstehungszeit und stellt fest, dass diese seinerzeit kaum rezipiert wurde. Er kritisiert die Geschichtslosigkeit der heutigen Diskussion und sieht die Gründe für die beobachtbaren Entwicklungen in der Verschiebung sozialstaatlicher Handlungsprämissen, die sich auch in den Widersprüchen und Brüchen aktueller Jugendhilfepolitik widerspiegelt.

Die Redaktion hofft, dass die hier gewählte diskursive Form der Zusammenstellung des Heftschwerpunktes auch die LeserInnen anspricht. Über Reaktionen und Rückmeldungen würde sie sich freuen.

Josef Koch, Diana Düring

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