ForE 3-2014 Care Leaver – Übergänge ins Erwachsenenleben

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters
Zeit für eine große Koalition

Benjamin Strahl/ Severine Thomas
(Er)wachsen ohne Wurzeln? Der Weg aus stationären Erziehungshilfen

Anna Mühlmann
Der ungewisse Übergang von Care Leaver: Die „Milchmädchenrechnung“ der Jugendhilfe

Katharina Mangold/ Angela Rein
Formale Bildung als Ressource für Care Leaver in Übergängen ins Erwachsensein?

Britta Sievers / Severine Thomas
Übergangsbegleitung aus stationären Erziehungshilfen – ein Blick in die Praxis

Maren Zeller
Übergänge unterstützen – internationale Inspirationen

Lisa Andernach/ Parto Tavangar
Junge Flüchtlinge in der Volljährigkeitsfalle

Monika Weber
Wie Frauenpolitik vom Küchentisch aus funktioniert –
Die IGfH-Fachgruppe „Frauen und Mädchen“ reist nach Island

Björn Redmann
Engagiert für die Rechte junger Menschen:
Ombudschaft und Beschwerde in der Jugendhilfe

Maren Zeller im Gespräch mit Kiaras Gharabaghi
Anders und doch ähnlich?!?
Aktuelle Trends in der Heimerziehung in Kanada/Ontario

Mirko Eikötter
Streit um Inklusionshelfer - Wer ist für die pädagogische Arbeit
in der Schule zuständig?

Norbert Struck
„Inklusion nicht zulasten der Sozialhilfe“ – dann schon eher zulasten der Betroffenen!

 

Schwerpunktthema Care Leaver – Übergänge ins Erwachsenenleben

Care Leaver sind junge Menschen, die einen Teil ihres Lebens in öffentlicher Erziehung – z.B. in Wohngruppen oder Pflegefamilien – verbracht haben und sich im Übergang ins Erwachsenenleben befinden.

Für die meisten Care Leaver in Deutschland steht die Beendigung der stationären Erziehungshilfe und der damit verbundene Übergang in ein selbstständiges Leben zwischen dem 18. und 19. Lebensjahr an, da die möglichen Leistungen im Rahmen der Hilfen für junge Volljährige (vgl. § 41 SGB VIII) häufig nicht ausgeschöpft werden. Dies ist insofern eine problematische Situation, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass das durchschnittliche Auszugsalter aus dem Elternhaus von jungen Menschen in Deutschland bei fast Mitte 20 liegt und viele von ihnen beim Übergang ins Erwachsenenleben auf materielle und soziale Ressourcen ihrer Herkunftsfamilie zurückgreifen (vgl. 14. Kinder- und Jugendbericht). Für Care Leaver vollzieht sich der Übergang ins Erwachsenenleben also im Vergleich zu ihren Gleichaltrigen früher und gleichzeitig komprimierter.

Ungeachtet dieser prekären Entwicklungen stand die Gruppe der Care Leaver in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland erstaunlicherweise kaum im Fokus von öffentlichen und fachlichen Debatten.

Mit Blick auf die internationale Forschung fällt zudem auf, dass Erkenntnisse zur Lebenssituation der Care Leaver vorliegen, die wir in Deutschland so nicht haben. Konkret verweisen internationale Studien darauf, dass Care Leaver sich gegenüber ihren gleichaltrigen Peers in einer benachteiligten Lebenslage befinden: Sie sind häufiger obdachlos, psychisch krank, suchtmittelabhängig oder mit dem Gesetz im Konflikt. Sie verlassen in der Regel die Schule mit einem geringeren oder keinem Abschluss, woraus eine häufigere Arbeitslosigkeit und damit eine höhere Abhängigkeit von sozialen Transferleistungen folgen. Sie erleben überproportional häufig eine frühe (teilweise auch ungewollte) Elternschaft und können auch in dieser Situation auf weniger soziale und materielle Unterstützung zurückgreifen.

Auch wenn keine vergleichbaren deutschen Studien vorliegen, so verweisen die Ergebnisse aus Praxisforschungsprojekten ebenfalls auf eine Benachteiligung der Care Leaver. Dass diese vielfach an unzureichende strukturelle Rahmenbedingungen geknüpft ist, die eine professionelle Übergangsbegleitung erschweren, lässt sich sehr gut anhand der Forderungen nachvollziehen, die erst kürzlich in dem Positionspapier „Jugendhilfe – und dann? Care Leaver haben Rechte!“ (vgl. ForE 1/2014: 29) formuliert wurden. Diese Debatte gilt es zukünftig auch unter Einbezug der „Kategorie Gender“ weiterzuführen.

Der Anspruch dieses Themenschwerpunktes ist es, das Thema Leaving Care möglichst facettenreich zu beleuchten. Den hauptsächlichen Zugang bilden Ergebnisse aktueller Praxisforschungsprojekte, die einerseits das Handeln und die Sichtweisen der Fachkräfte in der Übergangsgestaltung und andererseits die Erfahrungen und Perspektiven der Care Leaver fokussieren.

Der Beitrag von Benjamin Strahl und Severine Thomas führt grundlegend in das Thema ein und diskutiert sowohl institutionelle Bedingungen von Selbstständigkeit für Care Leaver als auch die entsprechenden Herausforderungen aus ihrer Sicht. Anschließend beschreibt Anna Mühlmann, auf welche zahlreichen Herausforderungen und Barrieren Care Leaver bei Aufnahme und Absolvieren eines Studiums stoßen. Katharina Mangold und Angela Rein diskutieren die Bedeutung formaler Bildung in der Heimerziehung, insbesondere in den Übergängen ins Erwachsensein. Die Perspektive der Fachkräfte auf die Übergangsbegleitung verdeutlichen Britta Sievers und Severine Thomas anhand empirischer Ergebnisse aus dem Projekt „Was kommt nach der stationären Erziehungshilfe?“. Maren Zeller skizziert anhand von Erfahrungen aus internationalen Kontexten Rahmenbedingungen, die eine Übergangsbegleitung unterstützen können. Schließlich thematisieren Lisa Andernach und Parto Tavangar die besonders prekäre Situation der Gruppe von Care Leaver, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in stationären Erziehungshilfen betreut wurden.

Diana Düring, Maren Zeller

 

Verwandte Inhalte: 

Jugendhilfe und dann? Care Leaver haben Rechte! (05.12.2013)

Positionspapier der IGfH und des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim

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