ForE 1-2016 HzE auf dem Lande

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters CETA, TISA, TTIP – und der Sozialstaat, wie wir ihn kannten?

Michael Winkler: Das Land und die Erziehungshilfe. Eine komplizierte und vielfältige Geschichte

Jens Pothmann: Fallzahlenhöhe im „Stadt-Land-Vergleich“ - Ein Blick in Statistiken zu regionalen Unterschieden bei der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung

Claudia Daigler: Weiterentwicklung von HzE-Infrastruktur in ländlichen Räumen – Herausforderungen am Beispiel Baden-Württemberg

Werner Freigang im Gespräch mit Birgit Hamar und Jan Peters Erziehungshilfen auf dem Land zwischen Zentralisierung und Verarmung – Einblicke in die Situation in Mecklenburg-Vorpommern

Michael Behnisch, Josef Koch: Ein Tag in der Jugendwohngruppe. Erkundungen und Beobachtungen auf dem Lande

Vilma Vähämaa, Yonatan Gebrenegus: Beteiligung und Unterstützung von Care Leavern – ein internationaler Erfahrungsaustausch

Annegret Wigger:Entwicklungstendenzen ländlicher Jugendhilfe im Spannungsfeld von Professionalisierungsansprüchen und traditionellem Milizsystem - Ein subjektiver Blick aus der Schweiz

Thomas Trenczek, Wolfgang Behlert:Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - Basisinformationen zur rechtlichen Situation, biografischen Daten und Erfahrungen sowie sozialpädagogischen Handlungsmöglichkeiten insb. im Rahmen der sog. Vorläufigen Inobhutnahme

 

Hilfen zur Erziehung auf dem Land

Erziehungshilfe auf dem Land scheint als Thema stets nur vereinzelt aufzutauchen: Als Bestandteil von Infrastrukturdebatten, als Hintergrund für die Umsetzung neuer Hilfesettings (Integrierte Hilfen) oder im Rahmen demografischer Veränderungen. Historisch betrachtet kommen die Landerziehungsheime in den Sinn, aber auch das abgedrängte „Heim am Stadtrand.“ Auch wird immer mal wieder die „Erreichbarkeit“ von Erziehungshilfeleistungen aber auch von Klient_innen thematisiert und problematisiert.

Bereits diese lose Aufzählung weist auf zwei grundlegende Schwierigkeiten hin, die mit dem Thema verbunden sind: Obwohl, erstens, der Ort wichtige Rahmenbedingungen für eine Erziehungshilfeleistung setzt und viele jener Angebote in ländlichen Räumen erbracht werden, ist eine explizite Debatte – etwa in Monografien oder Forschungsarbeiten – kaum auszumachen; anders als zum Beispiel in der Jugendarbeit. Dies hängt, zweitens, vielleicht auch damit zusammen, dass die Frage, was eigentlich mit „Erziehungshilfe auf dem Land“ gemeint sei, nur auf den ersten Blick leicht zu beantworten ist. Denn: Hinter einer ersten, nur vermeintlich eindeutigen bildlichen Assoziation – schmale Straße, kleine Dörfer, Wald und Wiese – verbirgt sich ein vielfältiges Kompendium an Themen und Themensplittern.

Eine Systematik, die auch nur die meisten der relevanten Themen erfassen kann, ist im Rahmen eines solchen Themenheftes sicher nicht vorzulegen. Gleichwohl versuchen wir, drei Impulse zu setzen: Einem Übersichtsbeitrag folgt die Betrachtung der Planungsebene von Leistungen auf dem Lande. Abgeschlossen wird der Themenschwerpunkt, indem versucht wird, die Perspektiven der Beteiligten (Fachkräfte, Kinder und Jugendliche) in den Blick zu nehmen.

Der Themenschwerpunkt eröffnet mit einem Text von Michael Winkler, der zunächst auf die Schwierigkeiten hinweist, Kategorien und Definitionen einer ländlichen Jugendhilfe zu markieren. Gleichwohl kann Winkler historisch nachzeichnen, dass die – wenngleich bisweilen mythischen – Kategorien von Stadt und Land zur Entstehung einer modernen Sozialpädagogik beigetragen haben. Davon ausgehend blickt der Beitrag auf vergessene wie aktuelle Entwicklungen einer ländlichen Erziehungshilfe, in denen einige Optionen für eine gute Heimerziehung erkannt werden.

Der zweite Fokus wird von Jens Pothmann eingeleitet, der auf statistischer Grundlage einen Stadt-Land-Vergleich hinsichtlich der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung vornimmt. Mit Blick auf Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kann der Text zeigen, dass und inwieweit die Stadt-Land-Differenz zwar ein Erklärungsmuster für die Inanspruchnahme von Leistungen darstellt, diese nie ohne die Berücksichtigung von Sozialstrukturen und Lebenslagen linear gelesen werden darf. An dieser Erkenntnis setzt auch der Beitrag von Claudia Daigler an. Die Autorin beschreibt zunächst die Folgen von „ausgedünnten Jugendhilfeplanungsstrukturen“ in baden-württembergischen Landkreisen und ermöglicht daran anschließend einen exemplarischen Einblick in den Planungsprozess eines Landkreises, in dessen Rahmen auch Klient_innen mit ihren Erfahrungen zu Wort kamen.

Dies leitet zum dritten Fokus über: Der Beitrag von Werner Freigang gründet auf einem Interview mit zwei Leitungskräften eines freien Trägers, die in zwei Landkreisen in Mecklenburg-Vorpommern Verantwortung tragen für die Erbringung und Koordination von Erziehungshilfen. Der Text macht einerseits die Relevanz (kommunal-)politischer und sozialpolitischer Strukturen deutlich, weist aber andererseits auch auf die Auswirkungen dieser Strukturen in ländlichen Räumen auf die Angebote der Hilfen zur Erziehung und die Zugänge zu Familien hin.

Der abschließende Beitrag des Themenheftes wählt, ausgehend von den kaum vorhandenen Forschungserkenntnissen, einen ungewöhnlichen Zugang: Michael Behnisch und Josef Koch sind einen Tag lang in stationären Wohngruppen „mitgelaufen“ und berichten in ihrem Text über Eindrücke und Gespräche. Dabei bildet sich durchaus die Vielfalt des subjektiven Alltags in der Erziehungshilfe auf dem Lande ab – diese werden gleichwohl im Reportage-Stil dargestellt, ohne sie fachlich zu (über-)deuten.

Michael Behnisch, Josef Koch

 

 

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