ForE 3-2016 HzE-Gruppenangebote und Schule

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters: Armut und Reichtum

Mirjana Zipperle: Entwicklungen von schulbezogenen HzE-Gruppenangeboten – Beobachtungen und fachliche Herausforderungen

Jens Pothmann, Agathe Tabel: HzE trifft Regeleinrichtung – Schule als Ort von erzieherischen Hilfen und Eingliederungshilfen gem. § 35a SGB VIII

Claudia Daigler: Und…wie werden die Interessen der Adressat_innen berücksichtigt?

ForE-Interview mit Sylvia Kopp: Tagesgruppen im Kontext von schulbezogenen HzE-Gruppenangeboten – Einblicke aus Brandenburg                           

Rüdiger Kuehn: Jugendhilfe in der Schule ‒ Begegnungen auf einem gemeinsamen Campus. Ein Bericht aus der Hamburger Praxis                    

Norbert Struck: Jugendhilfe und Schule – Facetten zu Themen, die sich nicht mit Kooperationsappellen erledigen lassen

Rolf Widmer: Bericht über die ersten Erfahrungen des Safepark-Projektes im Libanon

Christoph Wüstenhagen: Was abgelehnte Anträge für Nebenleistungen mit Pflegeeltern und Erziehungsstellen machen ‒ oder: Was spart sparsame Bewilligungspolitik ein?

Laura Becker, Michael Behnisch: Eine wenig beachtete Zielgruppe: Jugendliche mit psychisch kranken Eltern

Norbert Struck: Reform des SGB VIII – Worauf es ankommt

 

HzE-Gruppenangebote und Schule

Schulen sollen immer mehr zum zentralen Lebensort im Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen werden oder sind es bereits geworden – je nachdem wie die Ganztagsschulentwicklungen in den einzelnen Bundesländern verlaufen. Im Rahmen der Nachmittagsbetreuung haben sich Kooperationen von Schule und Jugendhilfe verdichtet, mehr Akteure als zuvor bieten Angebote an Schulen an. Auch HzE-Träger entwickeln insbesondere im ambulanten Bereich verstärkt schulbezogene Angebote. Gerade auch im Zuge der Debatten um das neue SGB VIII haben Fragen von HzE in Regeleinrichtungen einen besonderen Stellenwert erhalten.

So eindeutig diese Entwicklungsperspektive sein mag – die Landschaft der Praxis vor Ort ist unübersichtlich und vielerorts existieren nach wie vor Konfliktfelder und offene Fragen (Jugendhilfe als additives Angebot zur Entlastung des Schulbetriebs von sozialen Problemen? Regulierung normabweichenden Verhaltens direkt in der Schule durch „Spezialisten“? Sozialpädagogisierung und Vereinnahmung der Schule? etc.). Optimalerweise werden kommunale Gesamtkonzepte entwickelt, die von Schule und Jugendhilfe gemeinsam getragen werden und eine umfassende Perspektive auf die Bedürfnisse von jungen Menschen einnehmen. Hierfür benötigt es Strukturen, die eine Verbindlichkeit in der Bearbeitung von gemeinsamen Zielen, Handlungsansätzen und Arbeitszusammenhängen absichern. Ohne diese kommunalen Strukturen, die eingebunden sind in jugendhilfe- und bildungspolitische Entscheidungsprozesse, bleibt die gelingende Kooperation eher ein „Glücksfall, abhängig von engagierten Personen, der kommunalen Haushaltslage und dem Ausfindigmachen von Gestaltungsalternativen in der Schulbürokratie“ (vgl. LWL (Hg.) 2008: Abschlussbericht zum Werkstattprojekt zur modellhaften Integration flexibler Erziehungshilfen in die Offene Ganztagsschule im Primarbereich, Münster).

In der Heftausgabe werden aus unterschiedlichen Perspektiven Bewegungen und Ansätze in diesem Kooperationsfeld in den Blick genommen. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Frage, welche Dienstleistungen HzE-Gruppenangebote zur Ganztagsschulentwicklung beisteuern (können), sondern es wird auch danach gefragt, wie diese von den schulischen Entwicklungen beeinflusst werden, welche „Eigenständigkeit“ darin bewahrt werden kann und welche Ansätze darin bedeutsam werden. Wir sprechen dabei von „HzE-Gruppenangeboten“ als Sammelbegriff für die Sozialpädagogische Gruppenarbeit und die Tagesgruppen, die innerhalb ihrer Angebotsform in der Regel vor Ort unterschiedlich umfangreich ausgestattet sind.

Die Rahmung der sechs Beiträge wird von Mirjana Zipperle eröffnet, die im Sinne eines „Ordnungsversuches“ einen Überblick über Diskurse und Bewegungen gibt und dabei herausarbeitet, wie sich das Leistungsdreieck der Jugendhilfe in ein Viereck ausdehnt und welche Konsequenzen dies für das Hilfeplanverfahren und die Hilfegewährung haben kann. Agathe Tabel und Jens Pothmann komplettieren den Überblick, indem sie auf aktuelle Ergebnisse der KJH-Statistik rekurrieren und damit die Bedeutung der Schule als Durchführungsort von erzieherischen Hilfen belegen. Claudia Daigler geht davon aus, dass Fragen der Ausgestaltung von HzE-Angeboten in Regeleinrichtungen auf institutionelle Diskurse verengt werden und stellt vor diesem Hintergrund eine Adressatinnenbefragung (von Müttern) im Rahmen eines Jugendhilfeplanungsprozesses vor. Zwei verschiedene Einblicke in die Praxis schließen den Bogen der Betrachtung. In einem Interview beschreibt Sylvia Kopp Entwicklungen in der Tagesgruppenarbeit im Land Brandenburg aus der Perspektive des dortigen Landesjugendamtes. Rüdiger Kuehn, Geschäftsführer des Vereins sme in Hamburg, zeigt in seinem Beitrag sozialräumliche Ansatzpunkte und sehr positive Erfahrungen mit HzE-Angeboten an Schulen auf. Abschließend mahnt Norbert Struck hinsichtlich einer Sorglosigkeit gegenüber Veränderungen, die sich in den Tiefenstrukturen der gesellschaftlichen Subsysteme Schule und Jugendhilfe vollziehen und die sich unter der Hand in veränderten Vergabepraxen, die sich nicht mehr am SGB VIII orientieren, zeigen können.

Claudia Daigler, Mirjana Zipperle

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