ForE 4-2016 Technologie und methodisches Handeln in den HzE

Aus dem Inhalt

Norbert Struck: …noch immer kein Entwurf. Vom Vorfeld eines Referatsentwurfs zum SGB VIII

Brigitta Michel-Schwartze: Methodisches Handeln als Technologie(-ersatz)?

Michael Winkler: Pädagogische Technologie – Überlegungen mit Anton Makarenko

Alexandra Doll: Verhaltenstherapeutische Elemente in den stationären HzE?

Timm Kunstreich: Gegen eine „Dressur zur Mündigkeit“ – Zur Kritik einer `neuen` repressiven Erziehungstechnologie und Optionen für eine demokratische Kultur des Aufwachsens

Manfred Neuffer: Wie IT-Technologie Soziale Arbeit unterminieren kann –

Die unendliche Geschichte von JUS-IT im Hamburger ASD

Jennifer Brooker: Jugendliche mit Migrationshintergrund und indigene Jugendliche in Australien und Herausforderungen für die Ausbildung von Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit

Henriette Katzenstein: Von Einblicken und Überraschungen zu Einsichten und Überblick – ein weiter Weg! Ein Bericht von einem Forschungskolloquium zum Thema Flucht und Asyl

Erziehungshilfefachverbände AFET, BVkE, EREV und IGfH: Fragen und Prüfsteine an die SGB VIII-Reform und ein inklusives Kinder- und Jugendhilfegesetz

Harald Löhlein: Das Integrationsgesetz

 

Technologie und methodisches Handeln in den HzE

Spezialisierungen und verhaltens- oder lerntheoretisch grundierte Stufen- und andere `Programme` nehmen in den Hilfen zur Erziehung, insbesondere der Heimerziehung, zu (vgl. FORE 2/2016). Diese neuerlichen Versuche, eine enge Kopplung zwischen vermeintlich klar definierten (Verhaltens-)Proble-men auf Seiten der Adressat_innen und darauf bezogenen kausal wirksamen Bearbeitungen durch planmäßige und technologische Interventionen/Verfahren herzustellen, sind auf der Makroebene gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen (Wettbewerb und Wirkungsdiskurs) nachvollziehbar und erklärbar. In ihrer unmittelbaren Funktion bleiben sie weitgehend undiskutiert und unterbelichtet. So entstand die Idee dieses Schwerpunktthemas, das ursprünglich als ein „Pro und Kontra“ bezüglich der neuen verhaltensorientierten Settings und Techniken in den Hilfen zur Erziehung angelegt sein sollte. Obwohl in der Praxis zunehmend verbreitet und angewendet, wollte keine/r der Protagonist_innen, die wir angesprochen haben, und die in ihren Einrichtungen auf Stufenprogramme setzen und strikt verhaltenstheoretisch arbeiten, diesen Ansatz begründen und dafür argumentieren.

Über mögliche Gründe für diesen Verzicht kann man nur spekulieren – einer der am wenigsten erfreulichen wäre allerdings, dass man sich so sehr im Mainstream aktueller Praxis und alltäglicher Gewissheiten zu befinden glaubt, dass es für die angesprochenen Praktiken keiner Begründung bedürfe. 

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangslage eröffnet sich aber die Möglichkeit, das Thema allgemeiner, wenn auch z. T. etwas abstrakter, zu diskutieren, indem wir die Fragen nach Technologien, Techniken, Verfahren und methodischem Handeln in aller Breite neu aufwerfen – von konzeptionell-theoretischen Überlegungen über immanente Logiken spezifischer Settings bis hin zu den Implikationen, die IT-Anwendungen zeitigen können. Selbstredend sind wir uns dabei bewusst, dass mit dieser Ausgabe nur eine erste Annäherung an dieses Thema erfolgen kann, das weiterer Bearbeitung bedarf, und das wir auch weiterverfolgen wollen. Diskussionsbeiträge sind ausdrücklich erwünscht. 

Inhaltlich schließen wir an N. Luhmann an, von dem bekanntlich das Verdikt des `Technologiedefizits der Erziehung` sowie die Beobachtung des Bemühens von Pädagog_innen, angesichts dieser Lage für ihre Tätigkeiten `Technologieersatztechnologien` zu suchen und zu nützen, stammt. Ausgehend von diesem Befund gilt es zunächst nach dem Status von Technologien und Techniken (der Erziehung) zu fragen, ihre Ähnlichkeiten und Unterschiede, ihre impliziten Logiken und die damit gegebenen Implikationen und Handlungsimperative nebst deren expliziten und impliziten Folgen herauszuarbeiten. Im Einzelnen versuchen dies Brigitta Michel-Schwartze, die auf den Unterschied zwischen technik-dominiertem Handeln und einem Handeln, das im ursprünglichen Wortsinn auf die praktisch verbürgte Rationalität sprachlich- handlungsbasierten Handelns aufbaut, hinweist, und den Begriff des `methodischen Handelns` präferiert. Michael Winkler erinnert am Beispiel Makarenkos daran, dass es in der Geschichte der Sozialpädagogik eine Reihe von `Klassikern` gibt, die explizit an der Vorstellung einer Technologie der Erziehung, die jenseits technologischer Verkürzungen aus dem Logos von Erziehung entsteht, festhalten. Alexandra Doll beschreibt Verhaltens- und lerntherapeutische Herangehensweisen in den stationären Hilfen zur Erziehung und deren Orientierungsmöglichkeiten, Begrenzungen und `Wirkungen´ für die jungen Menschen in solchen Settings. Timm Kunstreich analysiert die implizite Logik und erwartbaren Folgen von Stufenprogrammen in der Heimerziehung und zeigt im zweiten Teil seines Beitrags, dass es durchaus noch unausgeschöpfte Möglichkeiten demokratischer Entwicklungen jenseits des vermeintlichen Mainstreams gibt. Schließlich stellt Manfred Neuffer unter Rückgriff auf Erfahrungen betroffener Sozialarbeiter_innen am Beispiel der Implementation des Software-Programms „JUS-IT“ für den Hamburger Allgemeinen Sozialdienst (ASD) dar, wie (diese) IT-Technologie Soziale Arbeit subordiniert.

Friedhelm Peters/ Jenna Vietig

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