ForE 3-2017 Beziehungen in Erziehungshilfen

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters: Armut 2.0

Margrit Brückner: De-Thematisierung von Beziehung? Care als Herausforderung der Sozialen Arbeit

Regina Rätz: Beziehung ist alles – aber nicht nur! Das Zusammenspiel zwischen (sozial)pädagogischer Beziehung und sozialem Ort als Bedingung gelingender Erziehungshilfen

Annegret Wigger: Immer wieder in Kontakt gehen …

Welche Herausforderungen stellt die alltägliche Beziehungsarbeit an Fachkräfte?

Severine Thomas: … und dann ist Schluss? Zur Transformation sozialer Beziehungen im Übergang von stationären Erziehungshilfen ins Erwachsenenleben

Nicole Rosenbauer, Tina Stremmer: Macht und Beschämung – verdrängte und verdeckte Dimensionen in Beziehungen zwischen Fachkräften und Adressat_innen erzieherischer Hilfen

Bericht des Bundesrates: Erfahrungen mit dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht in der Schweiz

Sylvia Wagner: Medikamentöse Gewalt gegen Heimkinder – Arzneimittelstudien und Sedierung durch Psychopharmaka in Heimen der BRD bis in die 1970er Jahre

Melanie Arns: „Da waren meine Eltern nicht aufmerksam genug“ – Leibliche Kinder von Pflegeeltern als unentdeckte Adressat_innen im Pflegekinderwesen

Stellungnahme des Paritätischen zum Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen

 

Beziehungen in Erziehungshilfen

Die Annahme, dass eine gute Beziehung zwischen Fachkräften und Adressat_innen die Basis der Zusammenarbeit darstellt und eine entscheidende Voraussetzung für das Gelingen von Hilfeprozessen ist, ist prinzipiell nicht neu. Die (erlebte) Qualität der Beziehungen im Rahmen erzieherischer Hilfen wird oftmals als eine Schlüsselkategorie beschrieben, was durch die neuere Jugendhilfeforschung durchgängig bestätigt wird. Das Etablieren und Gestalten von Arbeitsbeziehungen kann demnach als wesentlicher Bestandteil professioneller Handlungszusammenhänge betrachtet werden. Dabei ist die Beziehungsgestaltung jedoch situations- und kontextabhängig und unterscheidet sich je nach Setting und Intensität von Erziehungshilfen. Die Beziehungen zwischen Fachkräften und Kindern, Jugendlichen und Eltern sind vielfältig und die jeweiligen Beziehungspartner_innen nicht immer frei wählbar. Insbesondere im Rahmen unfreiwillig initiierter Erziehungshilfen ergibt sich daraus die Herausforderung für alle Beteiligten immer wieder aufs Neue einen verlässlichen und vertrauensvollen Kontakt herzustellen und im Hilfeprozess aufrechtzuerhalten. Insofern steht in Frage, ob sich unter Berücksichtigung der Heterogenität von Beziehungen und Rahmenbedingungen dazu fachliche Standards und Arbeitsprinzipien formulieren lassen. Gleichzeitig wissen wir überdies, dass zwar die Etablierung einer Arbeitsbeziehung im Zentrum professionellen Handelns steht, aber auch, dass Beziehungen durch einen Machtüberhang zu Ungunsten der Kinder, Jugendlichen und Eltern gekennzeichnet sind.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass historisch gesehen die Formel „Beziehung“ viel Aufmerksamkeit erhalten hat, und zwar in Vergewisserung über den „pädagogischen Bezug“ oder die „helfende Beziehung“. Umso verwunderlicher ist es, dass der Begriff trotz der immensen Bedeutung von „Beziehung“ für sozialpädagogisches Handeln heute kaum noch systematisch ausgeleuchtet ist. Wird „Beziehung“ thematisiert, dann häufig im Zusammenhang mit Bindung(stheorien), in Ansätzen der Klinischen Sozialarbeit und Psychoanalytischen Pädagogik. Vor dem Hintergrund offener Fragen zu „Beziehungen in Erziehungshilfen“ werden im Heft einige relevante und aktuelle Aspekte des Themas in den Blick genommen.

Margit Brückner zeichnet in ihrem einleitenden Beitrag die Thematisierungs- und De-Thematisierungsweisen von ‚Sorge‘ im Rahmen der Care-Debatte nach und plädiert vor dem Hintergrund voranschreitender Ökonomisierungstendenzen für eine beziehungsorientierte und fürsorgliche (Neu-)Ordnung sozialer Strukturen.

Regina Rätz macht sich in ihrem Beitrag dafür stark, dass neben der Bedeutung von Beziehungen und deren Gestaltung auch die Relevanz des sozialen Ortes berücksichtigt werden sollte. Sie zeigt auf, dass das Zusammenspiel dieser beiden Aspekte als Bedingung für gelingende Erziehungshilfen reflektiert werden muss.

Annegret Wigger beschreibt Herausforderungen, die sich in der alltäglichen Arbeit aus der Perspektive von Fachkräften ergeben können. Sie verweist auf die Bedeutung und Wirkweisen von Gefühlen als ein Kern dieser (Beziehungs-)Arbeit und benennt in Anlehnung an das Konzept des Arbeitsbündnisses von Oevermann Strukturmerkmale, aus denen sie die Anforderungen an Fachkräfte ableitet.

Severine Thomas widmet sich in ihrem Beitrag der Perspektive der Adressat_innen. Sie nimmt den im Fachdiskurs häufig vernachlässigten Prozesspunkt des Hilfeendes in den Blick und führt aus, wie Care Leaver aus stationären Erziehungshilfen es erleben, wenn Erziehungshilfen und damit auch die Beziehungen, die häufig mühsam etabliert wurden, wieder beendet werden.

Nicole Rosenbauer und Tina Stremmer wenden sich schließlich der anderen Seite der weitestgehend positiv konnotierten Beziehungsformel zu. In ihrem Beitrag fragen sie, inwiefern Macht und Scham als eher verdeckte Dimensionen die Interaktionsweisen zwischen Fachkräften und Kindern, Jugendlichen und Eltern kennzeichnen können und machen darauf aufmerksam, dass das Potenzial von Beziehungen auch in eine destruktive Kraft münden kann.

Nicole Rosenbauer, Tina Stremmer

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