ForE 4-2017 Partizipation von Eltern mit Kindern in stationären Erziehungshilfen

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters: Whats’s left?

Elisabeth Helming: Konstruktiv mit Eltern kooperieren: eine Herausforderung für Fachkräfte der erzieherischen Hilfen

Martina Kriener: Konzepte der Partizipation von Eltern mit Kindern in stationären Erziehungshilfen

Rainer Siekmann: Partizipation von Eltern in der stationären Jugendhilfe  - Erfahrungen aus der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land

Beate Naake: Rechte von Eltern auf Partizipation im Kontext von Heimerziehung

Josef Faltermeier, Remi Stork: Interessenvertretungen von Eltern mit Kindern in Erziehungshilfen

Severine Thomas, Carolin Ehlke: Abeona – Ein internationales Projekt zu Übergängen von Care Leavern in Ausbildung und Arbeit

Henriette Katzenstein: Inklusion wohin? Schritte auf dem Weg zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe?! Eine Auswertung der Fachtagung der Erziehungshilfeverbände am 31. Mai 2017

Hannelore Häbel: Einführung eines familiengerichtlichen Genehmigungsvorbehalts für freiheitsentziehende Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen - Betrachtung aus der Perspektive der  Jugendhilfe

Norbert Struck: Kurzer Abgesang auf eine (voraussichtlich) nicht stattgefundene SGB VIII-Reform

 

Partizipation von Eltern mit Kindern in stationären Erziehungshilfen

Seit dem Achten Jugendbericht (1990) gilt Partizipation als eine der Strukturmaximen moderner Kinder- und Jugendhilfe, und auch das geltende SGB VIII enthält eine Anzahl von Paragrafen mit Aussagen zur Beteiligung der betroffenen Kinder/Jugendlichen und Eltern/Erziehungsberechtigten. Heute besteht ein weitgehender fachlicher Konsens, dass vermehrt partizipative, kommunikative und demokratische Elemente im Alltag von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe etabliert und rechtlich verankert werden müssen, um so die Selbstbehauptungspotenziale und die Rechte von jungen Menschen und ihren Familien zu stärken. Auch gilt in der Kinder- und Jugendhilfe die Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und ihrer Eltern nachweislich als ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit einer Hilfe.

Daher rücken die bestehenden Umsetzungsdefizite bei der Implementation von Partizipationskonzepten in den Erziehungshilfen in den Blick. Vor allem wird kritisiert, dass partizipative Prozesse nicht als konstitutionelle Bestandteile der alltagspraktischen Umsetzung anerkannt werden und sich nicht in den Einstellungen und Handlungsweisen der Fachkräfte manifestieren. Hinzu kommt, dass es häufig an konzeptionellen Ideen zur Elternpartizipation fehlt.

Das Heft widmet sich vor diesem Hintergrund der Frage, wie Partizipation von Eltern zu verstehen ist und wie sie gestaltet werden kann. Die praktischen Beispiele stammen aus einem Modellprojekt „Partizipation von Eltern mit Kindern in stationärer Unterbringung“. Hier wurde im Sinne einer Arbeitsdefinition von (realisierter) Partizipation gesprochen, wenn Personen „die Macht haben, auf den Verlauf und das Ergebnis eines Prozesses, auf Dialoge und Entscheidungen einzuwirken und Einfluss zu nehmen“ (vgl. Gies u.a. 2016: 10). Angesichts des weiten Bedeutungshorizonts des Begriffs „Partizipation“ ist auch dies eine Einschränkung, die wir aber bewusst in Kauf nehmen, um das Thema der Elternpartizipation im Kontext stationärer Einrichtungen überhaupt stärker in die Diskussion zu bringen und förderliche bzw. hindernde Bedingungen auszuloten.

Elisabeth Helming bettet daher zunächst die konstruktive Kooperation mit Eltern im Rahmen von Hilfen zur Erziehung ein in die Faktoren der sozialen Benachteiligung und deren intergenerationale Weitergabe. Sie zeigt, dass hierfür Selbstreflexionsfähigkeiten auf Seiten der Fachkräfte unabdingbar sind und Motivation auf Seiten der Eltern nicht vorausgesetzt werden kann, sondern zusammen entwickelt werden muss.

Martina Kriener berichtet von einem Praxisentwicklungsprojektprojekt, in dem neun stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe sich mit dem Thema Elternpartizipation auseinandergesetzt haben. Fach- und Leitungskräfte setzten sich an mehreren Wochenenden intensiv mit den Eltern auseinander und entwickelten jeweils gemeinsam konkrete Projekte, in denen die Partizipation praktisch erprobt wurde.

Rainer Siekmann hat mit seiner Einrichtung an dem Modellprojekt teilgenommen. Im Zuge dessen wurde eine Wohngruppe exemplarisch im Alltag für die umfängliche Mitwirkung der Eltern gebildet, sodass diese u.a. in die tägliche Erziehungs- und Bildungsförderung in der Wohngruppe eingebunden sind. Er berichtet von den diesbezüglich konkreten Erfahrungen und Herausforderungen.

Beate Naake nimmt aus juristischer Perspektive eine Konkretisierung der Rechtsposition von Eltern in der Praxis von Erziehungshilfen vor. Dabei macht sie deutlich, dass die rechtlichen Grundlagen der Jugendhilfe die Partizipation von Eltern auch und gerade in den stationären Hilfen zur Erziehung zwingend erforderlich machen.

Josef Faltermeier und Remi Stork berichten von Initiativen aus den Vereinigten Staaten, die zum Ziel haben, die Interessen von Eltern mit Kindern in Erziehungshilfen in der Gesellschaft bekannter zu machen und sie zu vertreten. Sie zeigen, auch in Deutschland gibt es erste Initiativen, in denen sich Professionelle für eine andere Darstellung und Wahrnehmung von Eltern einsetzen, die zu einer Entstigmatisierung von Herkunftseltern und der Möglichkeit neuer Rollenverteilungen beitragen können.

Nicole Knuth, Remi Stork

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