ForE 4-2018 EinBlick(e): Frühe Hilfen

Aus dem Inhalt

Nerea González Méndez de Vigo/Norbert Struck: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gehören in die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe – und nicht in AnKER-Lager

Norbert Struck/Wolfgang Trede: Ein Blick auf „Frühe Hilfen“ aus der Sicht der Erziehungshilfen

Christine Gerber: Frühe Hilfen - Hilfen zur Erziehung – Kinderschutz. Die Risiken und Nebenwirkungen einer rein programmatischen Abgrenzung

Gitta Hüttmann/Tina Cappelmann: Frühförderung als Kooperationspartnerin Früher Hilfen

Barbara Latzel, Julia Nowotny: Willkommensbesuche – Hilfe oder Heimsuchung?

Gaby Bossert und Marion Müller-Teuber: Frühe Hilfe für Sophia – Praxisbericht

Thomas Meysen: Datenschutz in Frühen Hilfen ist Vertrauensschutz in Hilfebeziehungen

Jochen Merchel: Frühe Hilfen: ein Meilenstein auf dem Weg zu einer „präventiven Kinder- und Jugendhilfe“?

ACYCP, USA – Board of directors (übersetzt von Henriette Katzenstein): Zur Situation der Kinder und Jugendlichen an der Grenze zwischen USA und Mexiko

Ruth Seyboldt: Ich bin dann mal weg… Plädoyer für bewusstes Abschiednehmen                        

Stefan Heinitz: Schutz durch Hilfe. Zur Debatte um „Schutzkonzepte“ in der Kinder- und Jugendhilfe

Hans-Ulrich Weth: Strafrechtliche Schweigepflicht: Voraussetzungen und gesetzliche Neuregelungen

Die Redaktion: Unzulässigkeit der Änderung einer geeigneten Hilfe (nur) aus Kostengründen

 

Frühe Hilfen

Frühe Hilfen zielen darauf ab, werdende bzw. junge Eltern bei Unsicherheiten und Unterstützungsbedarf rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre der Kinder niederschwellig zu beraten und zu begleiten. Sie haben in den Jahren nach 2005 innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe einen einzigartigen Bedeutungszuwachs erfahren.

Binnen weniger Jahre wurde aus Einzelprojekten ein durch das Bundeskinderschutzgesetz kodifizierter eigener Leistungsbereich der Kinder- und Jugendhilfe (§ 16 SGB VIII, § 1 KKG), der über eine Bundesstiftung zudem dauerhaft co-finanziert wird mit jährlich 51 Mio €. Die Frühen Hilfen sind in Diskurs und sich entwickelnder Praxis zwischen frühzeitiger, niedrigschwelliger Informierung und Unterstützung aller Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern auf der einen Seite und der Realisierung eines frühen Schutzauftrages für „Risikogruppen“ auf der anderen Seite angesiedelt. Kritisch diskutiert wird, ob Frühe Hilfen durch den Einsatz von Screening- oder Diagnoseverfahren („Anhaltsbogen“ für Arztpraxen), die sich vorrangig auf vermeintliche Risikogruppen richten, nicht Gefahr laufen, lediglich als eine vorgelagerte Kinderschutzmaßnahme angesehen zu werden, die bestimmte Gruppen von Eltern stigmatisiert (also quasi Frühstigmatisierung statt früher Hilfe).

Seit dem Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen sind einige Jahre vergangen (das NZFH feierte letztes Jahr 10-jähriges Jubiläum). Die Strukturen und der Ausbaustand der FH sind regional sehr unterschiedlich.

Norbert Struck und Wolfgang Trede stellen kurz Geschichte und Rahmung der Frühen Hilfen dar und kennzeichnen sie als ein heterogenes, andererseits aber auch sich verfestigendes Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe mit (ambivalenten) Schnittstellen zu den Hilfen zur Erziehung.

Christine Gerber lotet das Verhältnis von Frühen Hilfen, Hilfen zur Erziehung und Kinderschutz aus und begründet, warum rein programmatische Diskussionen zur Klärung nicht ausreichen, wenn die Klärung zu einem Mehr an Handlungssicherheit für Fachkräfte in „ungewissen Fällen“ führen soll. Alternativ setzt sie auf reflexive Rahmungen für die Fachkräfte der Frühen Hilfen.

Gitta Hüttmann und Tina Cappelmann erläutern Grundstrukturen der Frühförderung als einem interdisziplinären, niedrigschwelligen Angebot der Beratung von Eltern und der Förderung von Kindern mit Behinderungen/Beeinträchtigungen und setzen sie in Beziehung zu den Frühen Hilfen.

Barbara Latzel und Julia Nowotny berichten über Erfahrungen mit „Willkommensbesuchen“ bei Familien mit neugeborenen Kindern im Landkreis Sigmaringen, die von speziell geschulten Fachkräften aus Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden.

Gaby Bossert und Marion Müller-Teuber  schreiben über die „Frühe-Hilfe-Teams“ im Landkreis Böblingen, die für Eltern mit kleinen Kindern niedrigschwellig erreichbar sind und bei Bedarf aufsuchende Beratung und Unterstützung  anbieten. Sie stellen ihre Arbeit am Fall „Sophia“ dar.

Thomas Meysen erläutert die Bedeutung des Datenschutzes in den Frühen Hilfen. Er begreift die Datenschutznormen als Regelungen zum Vertrauensschutz in Hilfebeziehungen. Schließlich verweist er kritisch auf die nicht realisierten, aber angedachten Verschiebungen im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz hin zur professionellen Kooperation mit gesetzlichen Offenbarungsbefugnissen.

Jochen Merchel wirft einen kritischen Blick auf das „Präventions“verständnis der Frühen Hilfen zwischen primärpräventiven Selbstbeschreibungen und sekundärpräventiven Praxisentwicklungen und die damit verbundene Vorverlagerung sozialer Kontrolle und Problematik stigmatisierender Zugänge. Die damit verbundenen Paradoxien und Ambivalenzen sind nicht auflösbar, sondern nur reflexiv bearbeitbar: „Frühe Hilfen sind sperriger als es die Präventionsprogrammatik suggeriert“.

Hingewiesen sei schließlich auf Stefan Heinitz, der die Diskussion um „Schutzkonzepte“ im Heft 3 des ForE aufgreift und für den künftigen Gebrauch des Begriffs „Schutzvereinbarungen“ plädiert.

Norbert Struck und Wolfgang Trede

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