ForE 5-2018 Erziehungsberatung als Hilfe zur Erziehung

Aus dem Inhalt

Joachim Merchel: Der ASD ist zu wichtig, um ihn mit unseriösen Schlagzeilen
in die Diskussion zu bringen!

Agathe Tabel: Erziehungsberatung gem. § 28 SGB VIII – Rückblick und aktuelle Trends
im Spiegel der Kinder- und Jugendhilfestatistik

Klaus Menne: Erziehungsberatung im Zentrum. Zu ihrer Positionsbestimmung in der Jugendhilfe

Luise Hartwig, Felix Braun: Neue und alte Herausforderungen der Erziehungsberatung: Sozialraumorientierung, geflüchtete Menschen und Eltern mit psychischer Erkrankung

Amelie Schwierholz, Stefanie Gießen: jugendnotmail.de
Psychosoziale Online-Beratung in der Kinder- und Jugendhilfe

Annette Walter: Erziehungsberatung inklusiv – Unterstützung von Familien im Kontext Behinderung

Annegret Wigger: Das Modell des «Runden Tisches» - ein Bericht über die Aufarbeitung fürsorgerischer Zwangsmaßnahmen in der Schweiz

Laura de Paz Martínez, Daniela Reimer: Auf dem Weg zu einer migrationssensiblen Pflegekinderhilfe?

Hannelore Häbel: Auftrag und Funktion von Familiengericht und Jugendamt bei Gefährdung des Kindeswohls - eine Positionsbestimmung aus Anlass des „Staufener Missbrauchsfalls“

 

Erziehungsberatung als Hilfe zur Erziehung

Erziehungsberatung hat das höchste Fallaufkommen innerhalb der Hilfen zur Erziehung. Da sie sich weitestgehend in eigenen Fachverbänden (bke – Bundeskonferenz Erziehungsberatung, DAJEB - Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung, EKFuL – Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung etc.) organisiert, gerät sie für andere ambulante und (teil-)stationäre Hilfen zur Erziehung womöglich etwas aus dem Sichtfeld. Dies sollte Grund genug sein, in dieser Ausgabe einen Blick auf ihre Rolle innerhalb der Hilfen zur Erziehung zu lenken. In unseren Beiratssitzungen hatte Luise Hartwig darauf immer wieder hingewiesen – jetzt haben wir diesen Hinweis aufgegriffen.

Zu Beginn gibt Agathe Tabel einen Überblick über zentrale Befunde in der Kinder- und Jugendhilfestatistik. Sie beschreibt das Fallaufkommen in seiner Entwicklung und in seiner Relation zu anderen Hilfen, erläutert Daten der Adressat*innen von Erziehungsberatung und zeigt, dass die stärkste Inanspruchnahme in dem Alter stattfindet, wo die Übergänge von der Grundschule zu weiterführenden Schulen zu bewältigen sind.  Erst bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfolgt die Inanspruchnahme stärker im Hinblick auf Mädchen. In jüngeren Jahren überwiegen Jungen deutlich.

Klaus Menne, langjähriger Geschäftsführer der bke, positioniert „Erziehungsberatung im Zentrum“ der Jugendhilfe. Im Vergleich zu anderen Hilfen zur Erziehung sieht der Autor die Erziehungsberatung als ein „gedeckeltes“ Angebot der Jugendhilfe. Obwohl etwa – konservativ geschätzt - ein Drittel der Kinder im Laufe ihrer Entwicklung durch Erziehungsberatung Unterstützung finden, konnte sich ihre Ausstattung dafür nicht entsprechend verbessern.  Mit Trennung und Scheidung, dem Stellenwert der Psychotherapie, Entwicklungsprozessen junger Menschen, Frühen Hilfen und Kinderschutz werden zentrale Fachdebatten, die seit der Einordnung der Erziehungsberatung ins System der HzE geführt wurden, resümiert.

Felix Braun und Luise Hartwig beschreiben am Beispiel der Arbeit mit geflüchteten Menschen und psychisch erkrankten Eltern Sozialraumorientierung als zentrale Herausforderung der Erziehungsberatungsstellen, um Niedrigschwelligkeit und lokale Vernetzung zu erreichen und Beratung allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.  Sie fordern dabei politisches Handeln der Erziehungsberatungsstellen ein, durch das Erfahrungsgehalte aus der Beratungsarbeit in Impulse zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Kontext „lokaler Staatlichkeit“ überführt werden sollen.

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung muss Kinder- und Jugendhilfe sich in ihrem Kerngeschäft der Beziehungsgestaltung in vielen Facetten ihres Alltags mit der Rolle digitaler Medien in der Zugangs- und Organisationsgestaltung auseinandersetzen. Für die Beratungslandschaft bedeutet dies, auch online zu beraten. Annelie Schwierholz von JugendNotmail berichtet von den Motiven und Erfahrungen engagierter Berater*innen mit einem Angebot psychosozialer Online-Beratung, das sich kostenlos und professionell für  junge Menschen in Krisen- und Konfliktsituationen erreichbar macht.

Wenn die Kinder- und Jugendhilfe endlich ihr „Inklusionsprojekt“ voranbringen will, dann wird sie eine ganz spezifische Beratungskompetenz für Familien mit Kindern mit Behinderungen entwickeln müssen. Annette Walter berichtet aus der Praxis einer Erziehungsberatungsstelle, die den Weg zu Eltern mit behinderten Kindern schon seit Jahren gegangen ist.  Auch wenn viele Anforderungen die gleichen wie bei jeder Erziehungsberatung sind, wird deutlich, dass das Inklusionsprojekt auf keinen Fall en passant von der Kinder- und Jugendhilfe geschultert werden kann: Zusätzliche Ressourcen, Zeit, spezifisches Wissen und Kompetenzen sind zwingend erforderlich.

Das Heft hat keine fachpolitische „Stoßrichtung“, Formel oder Forderung. Es will die Aufmerksamkeit der Praktiker*innen der Hilfen zur Erziehung auf Aspekte und Facetten einer nahen, im Alltag aber doch oft fernen Beratungsstruktur lenken und ihre herausgeforderten und herausfordernden Perspektiven kenntlich machen.

Josef Koch, Norbert Struck
 

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