ForE 5-2019 Jetzt erst recht! Geflüchtete in der Jugendhilfe

Aus dem Inhalt

Norbert Struck: "Social Impact" (SIB) in der Kinder und Jugendhilfe: Selten rechtlich möglich, praktisch ideologisch aufgeladener Unsinn

Nerea González Méndez de Vigo, Johanna Karpenstein: Junge Geflüchtete zwischen Jugendhilfe und ordnungsrechtlichen Paradigmen - ein Appell an einen parteilische Fachlichkeit (Fußnoten siehe unter Materialien unten)

Juliane Meinhold: Erstaufnahme-/ AnkER-Einrichtungen sind keine Lebensorte für Kinder und Jugendliche

Leonie Teigler, Lea Flory: Wer ist hier schutzbedürftig?! Junge Geflüchtete zwischen Selbstbestimmung, Trauma und Sicherheitsdiskurs in der psychosozialen Versorgung

Heike Schneider, Ulrike Schwarz: Die Familie zieht nach - Wie kann der Übergang zwischen dem Jugendhilfesystem für unbegleitete Minderjährige in das System der Familie gelingen?

Lucas-Johannes Herzog: Junge Geflüchtete in der Jugendhilfe: Ambivalenzen, Doppelbödigkeit und Exklusion. Ein kritischer Kommentar

 

Die individuelle, bedarfsgerechte Entwicklungsförderung von jungen Geflüchteten im Rahmen der Jugendhilfe und ein parteilisches An-ihrer-Seite-stehen scheinen momentan schwieriger denn je. Vier Jahre nach der sog. "Flüchtlingskrise" hat sich der öffentliche Dsikurs in Bezug auf Geflüchtete deutlich verschoben. Nach einer anfänglichen, überschwänglichen Willkommenskultur dominieren nun Positionen, die sich als Skepsis gegenüber Einwanderung an sich bis hin zum Verständnis für rechtspopulistische Argumentationen fassen lassen. Derartige Diskursverschiebungen schlagen sich auch in der Jugendhilfe nieder, etwa wenn sich politische Rhetorik in form von Begriffen wie "Ankerkinder" oder "Wirtschaftsflüchtlinge" in sozialpädagogischen Argumentationen zur Ablehnung von Hilfeleistungen wiederfindet.

Dabei sind junge Geflüchtete (und ihre Familien) von der Jugendhilfe entsprechend iherer individuellen Bedarfe zu unterstützen wie alle anderen jungen Menschzen auch. dies sollte mittlerweile selbstverständlich sein: 2005 wurde mit dem Kinder- und Jugendhilfeweiterenticklungsgesetz (KCIK) klargestellt, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge vom Jugendamt in Obhut zu nehmen und entsprechend den Standards der Jugendhilfe zu versorgen sind. Der bis dato bestehende ausländerrechtliche Vorbehalt der UN-Kinderrechtskonvention wurde 2010 zurück genommen. Seit 2014 werden auch im letzten Bundesland 16- und 17-jährige umF in Jugendhilfeeinrichtung untergebracht (und nicht mehr in Sammelunterkünften für Geflüchtete).

Diese Entwicklung kann nicht ohne das Engagement von zahlreichen Fachkräften und (Selbst-) Organisationen wie dem 1998 gegründeten Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) gesehen werden, die seit vielen Jahren für die Rechte der jungen Menschen streiten und die (Jugendhilfe-) Praxis entsprechend qualifizierten. Zu jedem Zeitpunkt bestand Gegenwind in Form von Akteur*innen, die junge Geflüchtete augenscheinlich als Menschen zweiter Klasse betrachten, die isolierte Sammelunterkünte einer dezentralen Unterbringung vorziehen oder Ressourcen in "effektiven Durchführungen" von Abschiebungen besser eingesetzt sehen als in der Ermöglichung eines gleichberechtigten gesellschaftlichen Lebens aller hier lebenden Menschen.

Soziale Arbeit bewegt sich fortwährend im Spannungsfeld gesellschaftlicher Entwicklungen, muss dabei den Blick auf den individuellen Menschen richten. Es wird nicht verkannt, dass dies enorme Herausforderungen mit sich bringt.

Vor diesem Hintergrund zeigen Nerea González Méndez de Vigo und Johanna Karpenstein auf, wie diskursive und rechtliche Verschärfungensich auf die Jugendhilfe-Praxis auswirken und plädieren hiervon ausgehen für eine nachhaltige Stärkung fachlicher Parteilichkeit.

Anhand der Beschreibung der konkreten Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in AnkER-Einrichtungen legt Juliane Meinhold dar, inwiefern in der Umsetzung dieser nicht kindgerechten Orte national, völker- und euoprarechliche Regelungen missachtet werden.

Leonie Teigler und Lea Flory werfen einen krtitischen Blick auf die Versorgung von traumatisierten Geflüchteten und plädieren dafür, den gesellschaftlich-politischen Kontext bei der Einordnung vn Traumata und Gewalt sowie psychosozialer Programme nicht außer Acht zu lassen.

Heike Schneider und Ulrike Schwarz geht es um die Begleitung von jungen Geflüchteten, bei denen ein Familiennachzug angestrebt wird. Der Beitrag fokussiert auf praktische pädagogische Herausforderungen vor dem Hintergrund komplexer rechtlicher Regelungen.

Der Schwerpunkt schließt mit einem kritischen Kommentar von Lucas-Johannes Herzog zur Frage, wo die Jugendhilfe hinsichtlich der Versorgung junger Geflüchteter heute steht, vier Jahre nach dem hierzu zahlreiche Verfahren etabliert, Strukturen aufgebaut und Einrichtungen geschaffen wurden.

Nerea González Méndez de Vigo, Juliane Meinhold und Lydia Tomaschowski

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