ForE 3-2019 Eingeblendet: Junge Frauen in Hilfen zur Erziehung

Aus dem Inhalt

Friedhelm Peters, Norbert Struck: Fridays for Future!

Claudia Daigler: Was ist aus den Diskursen um „Mädchen in den Hilfen zur Erziehung“ geworden?

Sandra Fendrich, Agathe Tabel: Ungleiche Geschlechterverteilung in den Hilfen zur Erziehung – ein Blick in die Kinder- und Jugendhilfestatistik

Alexandra Geisler: Ausblendungen und Geschlechtergerechtigkeit im Kontext von unbegleiteten geflüchteten jungen Frauen

Marion Lusar, Astrid Butz: Endlich 18 – und nun? FemJa macht (und braucht) Mut.

Ein Praxisbeispiel aus dem Mädchenhaus Frankfurt

Juliane Meinhold: Im Gespräch zu Hilfen zur Erziehung und LSBTIQ - „Ich will keine Sonderbehandlung!“

Monika Weber: Ent-deckt! Genderperspektiven auf die Übergangsphase Leaving Care

Friedhelm Peters, Josef Koch: Eindrücke vom Fachtag FICE Rumänien und Arbeitstreffen der FICE International

Marina Jeschke, Michael Behnisch:        „Ich bin krank und ich brauche ein bisschen Nähe“. Krankheitserleben in der Heimerziehung aus Sicht von Fachkräften und Jugendlichen

Henriette Katzenstein: Pflegeeltern als Vormund*innen! Warum, weshalb wieso?

Transparenz im SGB VIII-„Reformprozess“?

Norbert Struck: Zum Legalisierungsversuch unrechtmäßiger Kostenheranziehungen durch das BMFSFJ im Omnibusverfahren zum SGB IX

 

Eingeblendet: Junge Frauen in Hilfen zur Erziehung

Die Thematisierung der (verwehrten) Zugänge von jungen Frauen in Hilfen zur Erziehung hat eine lange Tradition. Seit mehr als 25 Jahren kann mit bemerkenswerter Kontinuität statistisch aufgezeigt und damit auch nachgewiesen werden, dass sich Inanspruchnahmen und Hilfevergaben an der Kategorie Gender unterscheiden. Am deutlichsten zeigt sich das Ungleichverhältnis bei den Hilfeformen Tagesgruppe und Soziale Gruppenarbeit. Dass es primär die Deutungsmuster von Professionellen sind, die darüber entscheiden, ob Menschen Hilfen der Sozialen Arbeit erhalten oder nicht - und nicht etwa der reale Bedarf) findet auch hier seine Anwendung. Die sogenannte „doppelte Benachteiligung“ (gesellschaftlich und institutionell) junger Frauen in Hilfen zur Erziehung wurde bereits in den 1980er Jahren von Vera Birtsch, Luise Hartwig und anderen herausgearbeitet und skandalisiert. Sie bildet einen Ausgangspunkt dieser Heftausgabe.

Ein weiterer Ausgangspunkt ist die aktuell wahrnehmbare Gleichzeitigkeit von theoriebasierter Ausdifferenzierung (Vielfalt der Geschlechter, Intersektionalität etc.) in der Geschlechterforschung und Ausblendungen der Relevanz der Kategorie Gender in (kritischen) fachpolitischen Diskursen (Careleaving, umF, Inklusion etc.). Festgestellt werden kann: Die Thematisierung von Benachteiligung bezogen auf soziale Lagen hat in der Geschlechterforschung in den letzten Jahren abgenommen und es gibt mehrfach Anhaltspunkte dafür, dass sich in der Jugendhilfe, die Berichterstattungen wie auch die fachpolitischen Argumentationen der „Geschlechterfrage“ entledigen.  

Mit der Heftausgabe soll der Diskurs um Mädchen/junge Frauen in den Hilfen zur Erziehung wieder aufgegriffen, Analyseebenen wieder eingeblendet und mit den aktuellen kritischen Fachpolitiken verknüpft werden. Angefragt wird zudem, welche Kriterien bzw. Annahmen für die Wahl eines mädchenspezifischen Angebots leitend sind. Die Frage, in welchem Ausmaß und in welcher Ausprägung Mädchenwohngruppen heute vorrangig als Spezialgruppen geführt werden, kann nur aufgeworfen, jedoch in der Ausgabe leider nicht datenunterlegt weiter nachgegangen werden. 

Den Aufschlag macht Claudia Daigler, die in ihrem Beitrag danach fragt, was aus den Analysen zu Mädchen in Hilfen zur Erziehung geworden ist, welche Relevanzen sie aktuell haben oder haben sollten und welche neuen Herausforderungen erwachsen sind. Agathe Tabel und Sandra Fendrich haben für die quantitative Unterlegung der ungleichen Hilfevergaben einzelne Tabellen zur Verfügung gestellt. Alexandra Geisler betrachtet Fakten, Praxen und Diskurse im Bereich der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten und zeigt dabei auf, wie junge Frauen und deren Lebenssituationen darin sichtbar werden oder auch nicht. Ein Praxisbeispiel aus dem Mädchenhaus in Frankfurt zeigt Einblicke in ein neukonzipiertes stationäres Angebot für junge volljährige Frauen und veranschaulicht dabei wie jungen Frauen an dieser Stelle Zugänge zu Hilfen und Schutzmöglichkeiten angeboten werden. Monika Weber führt das Thema 18+ weiter und zeigt mit Hilfe von Thesen auf, in welcher Weise und warum die „doppelte Benachteiligung“ gerade im Bereich Careleaving hochrelevant und gleichsam nicht skandalisiert/mitthematisiert wird. Sowohl in der Praxis als auch in den theoretischen Diskursen ist unhintergehbar, dass eine binäre Konstruktionsweisen von zwei Geschlechtern (Mann-Frauen) Identitäten und Realitäten des „Dazwischen“ ausblendet. Juliane Minhold hat im Gespräch mit Lucina Erfahrungen und Forderungen von Transpersonen in Hilfen zur Erziehung sowie Netzwerke, in denen sich Professionelle hierzu weiterqualifizieren aufgesammelt.

Die Beiträge im Schwerpunktteil sind nicht allumfassend und als solche auch nicht angelegt. Vielmehr wünschen wir uns in den weiteren Heftausgaben Beiträge im Diskussionsteil, die Debatten am Laufen halten und diese – im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Praxis - verfeinern. Die Thematisierung der Situation von jungen Frauen in den Hilfen zur Erziehung gehört auf jeden Fall dazu!

Claudia Daigler

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